
Inhalt: Die Menschheit hat sich im All ausgebreitet ... Mittels Klontechnik hat man anfangs nur ganz wenige Menschen ins All geschickt - in immer neuen Ausgaben ihrer selbst. Und so sind in Millionen von Jahren sogenannte Häuser entstanden, Konglomerate aus Tausenden von Menschen, die eigentlich ein einziges Individuum sind. Jedes Mal, wenn diese Häuser zusammenkommen, verändert sich die Richtung, die die Zivilisation nimmt.
Alastair Reynolds: Haus der Sonnen
Orion HC 2008; ca. 473 Seiten, SBN 978-0-575-07717-1; Ausstattung: Hardcover mit geprägtem Schutzumschlag; Deutsche Ausgabe bei Heyne
Gesamteindruck: [*****]
Phantasia
Ein monumentales, Zeit und Raum sprengendes Opus. Tausende Klone von Abigail Gentian reisen seit Millionen Jahren durch das Universum, um in regelmäßigen Abständen zusammen zu treffen und Erfahrungen auszutauschen. Campion und Purslane, zwei der Gentian Abkömmlinge, in einer nicht erlaubten Beziehung zueinander stehend, verspäten sich gehörig und entgehen dergestalt der versuchten Vernichtung der Gentian Linie. Nach sechs Millionen Jahren mehr oder weniger ohne gröbere Konflikte sieht sich Gentian der Vernichtung gegenüber. Durch wen? Eines der anderen Häuser? Und warum? Darüber rätseln die Überlebenden.
Für Campion und Purslane wird die Rettung der eigenen Existenz und die Suche nach den Gründen zu einem Trip, der die Grenzen von Zeit und Raum sprengt.
Hervorragend! Ein wirklich riesiges Buch, was die Dimensionen betrifft, in denen sich die Geschichte abspielt. Abwechselnd aus der Perspektive von Campion oder Purslane erzählt, entfaltet sich eine im Grunde simple, aber komplexe Geschichte vor dem Hintergrund einer enormen Space Opera: Klassicher Detektiv Krimi trifft auf Verschwörungsthriller trifft auf bittere Liebesschmonzette.
Garniert mit Dyson Sphären, kilometerlangen Raumschiffen, gesprengten Planeten, Wesen, die sich über Galaxien dehnen. Grandioser Größenwahn. Jahrzehnte vergehen im Augenzwinkern, Jahrtausende sind nichts besonderes und wie das alles mit den merkwürdig anmutenden Vorgeschichten angeht, das entschlüsselt sich nach und nach.
Ich kann echt nicht sagen, wie sich der Roman auf Deutsch liest. Ich habe Alastair Reynolds zu lesen begonnen, bevor sein erster Roman bei uns erschien und bin bei den Originalfassungen geblieben. (So wie ich John Scalzi nur auf Deutsch lese und bei Palahniuk hin und her wechsle). Auf Englisch ist seine Sprache elegant, nicht ohne Witz und von federleichter Bedeutungsschwere. Hmm...
Wohin des Weges?
Haus der Sonnen gehört wie Himmelssturz (Pushing Ice) und Ewigkeit (Century Rain) zu den drei Romanen, die für sich alleine stehen und nicht dem Revelation Space Universum zuzuordnen sind. Aber allem Anschein nach denkt Reynolds ernsthaft daran, die Geschichte weiterzuspinnen.
Ich wäre seeeehr neugierig darauf, vor allem auch deshalb, weil ich mir kaum vorstellen kann, wie die Geschichte weitergehen soll. Oh ja, natürlich gibt es einen simplen Weg einer Fortführung, aber dagegen spräche die Form des Endes und nach meinen bisherigen Erfahrungen mit Reynolds neigt er eher weniger zu Rückschritten.
Aber zuerst kommt 2009 der Steampunk Science Fiction Roman Terminal World, ab 2010 hat er die die 11K Trilogie in Arbeit. (11000 Jahre menschliche Ausbreitung ins All) Reynolds bekam diesen Sommer von seinem Verlag einen Vertrag über 10 Bücher, in 10 Jahren, für 1 Million Pfund.
Kurz gesagt:
- monströse Zeiträume
- monströse Story
- irrwitzige Monumentalität
Fazit: ausgezeichneter Roman, absolut lesenswert, unbedingte Empfehlung
Danke für das Interesse. Kommentare, Widerspruch, Zustimmung, Anmerkungen, ect. sind jederzeit willkommen.