Skip to Content

[11/2010] Guillermo del Toro & Chuck Hogan: Blut

cover heyne deltoro blutInhalt lt. Buch: New York. Eine geheimnisvolle Seuche ist in der Stadt ausgebrochen - eine Seuche, die einen Bewohner nach dem anderen in blutrünstige Monster verwandelt. Verzweifelt versucht eine kleine Gruppe von Menschen, gegen die Epidemie anzukämpfen. Doch der Kampf scheint aussichtslos: Die Seuche droht, den gesamten Planeten zu befallen. Und damit das Ende der menschlichen Zivilisation einzuläuten ...

 

Guillermo del Toro & Chuck Hogan: Das Blut

(OT: The Fall; 2010) Heyne 2010; ca. 395 Seiten; ISBN: 978-3-453-26649-0; Übersetzung: Alexander Lang; Ausstattung: Hardcover, geprägter Umschlag, Lesebändchen

Hellboy

Das Blut schließt unmittelbar an Die Saat an. Die im ersten Band angedeutete Mythologie und Geschichte dieser sehr eigenartigen Vampire wird ordentlich ausgebaut und erweitert. Keine glitzernden, schmachtenden Vampire, die sexy auf hohen Absätzen daher gestöckelt kommen oder ein größeres Ding in der Hose haben als zum beißen taugliche Eckzähne.

Dreckige, fiese Blutsauger, parasitärer Befall und Stacheln, die aus dem Mund kommen. So sieht die Sache aus. Chaos, Leichenberge, der Zusammenbruch der Zivilisation, Anarchie. Weit und breit gibt es keinen romantischen Sex und von edlen Kreaturen der Nacht braucht man gar nicht mal träumen. Klingt doch erfreulich erfrischend, nicht wahr?

Pan‘s Labyrinth

Das Blut versteht es geschickt, die Welt dieser höchst aggressiven Blutsauger glaubwürdig und in sich logisch zu schildern und damit ordentlich Stimmung zu machen. Die Helden des Buches sind, anders als es im ersten Teil den Anschein hatte, durchaus nicht nur sauber und heldenhaft, sondern haben ihre Schwächen und fragwürdigen Seiten.

Del Toro und Hogan steigern die Spannung geschickt, bauen den Roman zu einem apokalyptischen Inferno auf, das mit einigen Ideen aufwarten kann, die in dieser Form noch nicht Bestandteil eines Vampirthrillers waren. Was am Ende von der Apokalypse bleiben wird, lässt sich in diesem Buch nicht einmal als Andeutung erkennen ... ein hübscher Cliffhanger.

Blade II

Zumindest für mich liegt der besondere Reiz dieser Vampire in ihrer ungebremsten Scheußlichkeit und dem fehlen jeglicher Romantik. Hinzu kommt die vergnügliche Mischung aus klassischen Elementen wie dem Problem der Blutsauger mit Silber und dem überqueren von Wasser und ihrer Modernität, die sie zu effektiven Menschenjägern macht. Hier haben del Toro und Hogan ein perfektes Gleichgewicht gefunden. Ebenso gelungen ist der gelegentliche Rückblick in die Geschichte des Vampirjägers Setrakian – hier kommen Elemente zum tragen, die man auch aus einigen Filmen von Guillermo del Toro kennt.

Cronos

Auch im zweiten Buch fällt es schwer, die Blutsauger als Vampire zu betiteln. Sie sind es zwar, aber sie sind es auch nicht. Sie entsprechen kaum dem klassischen Vampir. Auch sehr erfreulich ist die Fortführung der logischen Rücksichtslosigkeit der Blutsauger auch Kindern oder Behinderten gegenüber. Mag für viele Leute fragwürdig sein, ist aber im Rahmen dieser Geschichte konsequent – alles andere wäre ein Betrug am Leser und an der eigenen Mythologie.

Mimic

Das Blut ist ein höchst erfreulicher zweiter Teil einer Trilogie. Das Buch beschränkt sich nicht darauf, das Finale vorzubereiten, sondern baut Spannung und Handlung auf, führt den Vorgänger beträchtlich weiter und entlässt den Leser mit Vorfreude auf den dritten Band. Die Autoren wissen Klischees zu nutzen und zu adaptieren und haben eine ganz eigenständige Mythologie der Blutsauger entwickelt.

Das Buch ist blutig und brutal, bleibt sich selbst treu, hat einen stellenweise recht verschrobenen Humor und gefällt sich in der einen oder anderen Anspielung – wie schon im ersten Band taucht auch hier wieder Eldritch Palmer auf – Philip K. Dick sei Dank.

Als Leser bin ich rundum und bestens unterhalten worden und mehr kann man wohl kaum verlangen. Und da del Toro inzwischen aus der Verfilmung des Hobbits ausgestiegen ist, kann man wohl davon ausgehen, dass das dritte Buch pünktlich und prall gefüllt mit all den leckeren Zutaten dieser Blutsaugertrilogie daherkommt. Ich freue mich darauf.

Kurz gesagt:

  • schnell und spannend

  • brutal und konsequent

  • rundum unterhaltsam

Fazit: wer mal wieder einen ordentlichen Vampirroman lesen will, zugreifen!


Wie denkt ihr darüber? Kommentare, Widerspruch, Zustimmung, Anmerkungen, etc. sind jederzeit willkommen.

cover big blut deltoro