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[10/2011] Greg Bear: Das Schiff

cover bear schiffInhalt: Ein gewaltiges Raumschiff gleitet durch das All, ohne Lebenszeichen und mit unbekanntem Ziel. Doch dann erwacht in einem der Lagerräume ein Mensch. Nackt und frierend findet er sich in einem Schiff voll tödlicher Gefahren wieder. Im Kampf mit schattenhaften Monstern und verräterischen Illusionen sucht er verzweifelt nach Antworten: Wer bin ich? Wohin fliegt dieses Schiff? Und: Werde ich überleben?

Greg Bear: Das Schiff

(OT: Hull Zero Three, 20101) Heyne 09/2011; ISBN: 978-3-453-53375-2; 478 Seiten; Übersetzung: Usch Kiausch; Ausstattung: Taschenbuch

Pandorum! Das Buch erinnert anfangs ziemlich an den großartigen Science Fiction Film Pandorum. Die Orientierungslosigkeit des Protagonisten, die Gewalt, das zerstörte Innenleben des Schiffs. Der Eindruck verflüchtigt sich bald wieder, je weiter der … Held … in das Schiff vordringt und je mehr Details er wahrnimmt, während in langsamen Schritten die Erinnerung wiederkommt.

Die Frage ist, erinnert er sich wirklich an das, was er zu wissen glaubt? Ist er überhaupt der, der er zu sein glaubt? Und was zum Teufel geht hier überhaupt ab?

Greg Bear hat hier ein wirklich ungewöhnliches Schiff geschaffen. Die von ihm geschilderte Konstruktion ist absolut ausgefallen und ziemlich sicher einmalig. Ich habe nicht im Ansatz eine Ahnung, ob das Ding theoretisch sinnvoll und machbar wäre, aber es ist kurios und trägt einiges zur gelungenen Atmosphäre des Romans bei.

Bear ist ein routinierter Autor, der etliche großartige Romane verfasst hat. Das Schiff ist so ein großartiger Roman mit einer merkwürdigen Schwäche. Das Innenleben, der Überlebenskampf, die … Bewohner … des Schiffs, die Details passen, sind gut durchdacht und stimmig. Die Geschichte ist spannend und je mehr Erinnerungen wiederkehren, um so verwirrender wird die Sache.

Sehr gut, das alles. Ich bin allerdings der Meinung, und das habe ich auch von anderen Lesern gehört, Bear hat letztendlich nicht gewusst, wie er das Ding zu Ende bringen soll. Ja, das Ende ist gut und es passt, aber es verursacht so ein Gefühl, als wäre Bear nicht wirklich aus dem Eck gekommen, in das er sich geschrieben hat. Er hat es geschafft, eine enorme Erwartungshaltung aufzubauen, bis man zum Finale kommt – und da fehlt eine letzte Steigerung.

Vielleicht ist das ein Irrtum und er wollte genau diesen Effekt erreichen – aber wozu? Realismus oder eine Fortsetzung können wohl nicht der Grund sein. Naja, wie gesagt, das Ende ist nicht so schlecht und wenn die letzte Zeile gelesen ist, hat man einen tollen Roman verschlungen, voll origineller Ideen, spannend, rätselhaft und eigenwillig. Aber wie er dem Ding auch noch ein passend mächtiges Ende verpassen kann, da war sich Bear offenbar nicht sicher.

Das Schiff ist eine originelle und spannende Space Opera. Stimmung, Action und Ideen sind erste Sahne. Da kann selbst der schwache Abschluss nichts vom Vergnügen rauben.

Kurz gesagt:

  • originell

  • spannend

  • clever

Fazit: Mit einer winzigen Einschränkung ein tolles Buch.