Skip to Content

[10/2010] Kim Paffenroth: Dying to Live

Cover Paffenroth Dying 1Inhalt lt. Buch: Jonah Caine lebt alleine in einer von Zombies bevölkerten Welt, ohne eine Erklärung für die brutalen Schrecken um sich herum zu finden. Nach Monaten ziellosen Umherirrens trifft er endlich auf eine Gruppe weiterer Überlebender, und nun scheint sich sein Dasein zum Guten zu wenden. Zusammen mit seinen Freunden baut er ein kleines Reich des Friedens auf, das jedoch ständig umkreist wird von gnadenlosen Menschenjägern. Als sie von einer weiteren Gruppe Überlebender aufgespürt werden, erlebt Jonah, dass der Untot nicht der einzige und bei Weitem nocht der schlimmste Schrecken auf Erden ist, denn Menschen können böser sein als jeder wandelnde Tote ...

 

Kim Paffenroth: Dying to Live – Vom Überleben unter Zombies

(OT: Dying to Live: A Novel of Life Among the Undead; Permuted Press 2007); Festa Vlg 04/2010; ISBN: 978-3-86552-091-3; Übersetzung: Doris Hummel: Ausstattung: Taschenbuch

Dying to Live ist eine sehr interessante Auseinandersetzung mit dem Thema Zombie. Es ist meiner Erfahrung nach bedeutend schwerer, eine gute Zombie Story zu schreiben, als man meinen möchte. Wirklich unterhaltsam wird eine Zombiestory erst dann, wenn sie sich auch mit anderen Dingen beschäftigt. Denn von Natur aus ist der Zombie an sich nicht sonderlich spannend, sondern nur ekelig. Und monoton. Ganz egal ob langsamer oder schneller Zombie, es bleibt stets dasselbe Prinzip. Beißen, brüllen, Blutfontänen, Eingeweide.

Zombiephilosophie

Kim Paffenroth hat die Sache sehr gut und sehr befriedigend hinbekommen. Er hat die Zombies zum Zentrum, nicht aber zum Mittelpunkt der Handlung gemacht und sich dadurch jede Menge Freiraum für jene Themen geschaffen, die ihn unverkennbar intensiv beschäftigt haben.

Dying to Live thematisiert neu erstehende Inseln der Zivilisation, den Aufbau kleiner Gesellschaften und die dabei entstehenden Probleme. Das Buch beschäftigt sich mit Philosophie, Fragen der Ethik und mit Religion.

Zombiegemetzel

Keine Sorge, es wird ordentlich gemetzelt und gesplattert: Dying to Live ist ein Zombieroman und natürlich geht es ordentlich ans Eingemachte. Aber eben nicht nur. Was Paffenroth zum Thema Der Mensch als Bestie präsentiert, ist wirklich harter und grausamer Stoff.

Der Autor ist sichtlich darum bemüht, eine Gesellschaft aufzubauen, die glaubwürdig ist und tatsächlich funktionieren könnte. Wie sichere ich meinen Unterschlupf? Wie komme ich an Lebensmittel? Was ist mit medizinischer Versorgung? Wie hält man eine Gruppe unter derart extremen Umständen zusammen und vor allem friedlich? Darüber hat er sich eingehend den Kopf zerbrochen.

Paffenroth ist Theologe. Das wirkt sich natürlich auf etliche Aspekte des Romans aus. Nicht sehr vordergründig oder aufdringlich, aber es ist spürbar und doch, ein, zwei, dreimal gehen ihm die Gäule durch und das ist dann etwas ... haarsträubend [wenigstens kann sich bei meiner Frisur nichts sträuben :-) ]. Aber das würde ich auch schon als einzige Schwäche des Buches sehen.

Cover Paffenroth Dying 2Zombiewelt

Eine wirklich gute Sache erscheint mir, dass die Schilderungen von einzelnen Zombie Massakern eine gewisse Monotonie aufweisen. Held bemerkt Zombie, Zombie kommt, es wird kurz gekillt, fertig. Nächster Zombie. Bis zum nächsten Massaker. Wenn man bei einem Roman mit diesem Thema auch nur im Ansatz von ... ähm, Realismus sprechen kann, dann wird er hier geliefert.

Ich stelle es mir wirklich eher monton vor, durch die Gegend zu latschen und bei Bedarf Zombies zu metzeln oder vor ihnen abzuhauen. Sicher, das mag zu Beginn der Apokalypse ganz schön nervenaufreibend sein, aber wenn man das Monat für Monat für Monat macht, immer nach demselben Schema, dann wird es Routine und Routine kann langweilig sein. Und genau das lässt Paffenroth durchblicken.

Naturbedingt ist Dying to Live kein schweißtreibender Pageturner, aber ein Buch, dass mit den Schilderungen der verwüsteten Welt ordentlich Stimmung macht und vom beinahe gemütlichen Start bis zum Ende ordentlich an Tempo gewinnt. Was die Stimmung betrifft ist ihm der Roman wunderbar gelungen. Auch was die Verzweiflung seiner Protagonisten anbelangt, ihr demoralisiertes und zerrüttetes Seelenleben, das hat er bestens im Griff. Was Paffenroth fehlt, ist ein wenig von der Leichtigkeit, mit der Zombie-Großmeister Brian Keene seine Romane aus dem Ärmel schüttelt.

Zusammenfassend bin ich sehr zufrieden mit dem Buch. In meinen Augen ein gelungener Versuch, dem Thema Zombie mehr als Gemetzel und Gedärm abzugewinnen. Die Fortsetzung Dying to Live – Die Traurigkeit der Zombies (was für ein Titel!) wird mir hoffentlich ein Vergnügen sein.

Kurz gesagt:

  • Zombiestory mit Anspruch

  • befriedigend grausig

  • gut aufgebaut und vielversprechend

Fazit: Gehört in jede gut ausgestattete Zombiethek

Link: Kim Paffenroth bei Festa

Links Brian Keene: Totes Meer; Kill Whitey; Die Wurmgötter; Das Reich der Siqqusim; Der lange Weg nach Hause;


Soweit meine Meinung. Kommentare, Widerspruch, Zustimmung, Anmerkungen, etc. sind jederzeit willkommen.