Inhalt lt. Buch: Wir schreiben das Jahr 2033. Vor fünfundzwanzig Jahren hat ein Krieg weite Teile der Welt verwüstet. Nur im Untergrund der Städte konnten die Menschen überleben. Auch einige Kilometer außerhalb Moskaus, in den labyrinthischen Kellern einer verlassenen Hochschule, kämpft eine Kolonie um ihre Existenz. Als diese Kolonie von unheimlichen Wesen bedroht wird, können der todkranke Sergej und sein hellsichtiger Sohn Denis in letzter Sekunde fliehen. Gemeinsam mit einigen wenigen Überlebenden machen sie sich auf eine abenteuerliche Reise - nach Moskau, zur Metro. Aber unterwegs lauern unbekannte Gefahren auf sie, und einer ihrer Begleiter scheint ganz eigene, düstere Pläne zu verfolgen.
Sergej Kusnezow: Das marmorne Paradies
(OT: 2010) Heyne 09/2011; ISBN: 978-3-453-52861-1; 384 Seiten; Übersetzung: Anja Freckmann; Ausstattung: Trade Format, Klappbroschur, Metro-Plan, Anmerkungen
Ein Roman aus Dmitry Glukhovskys Metro 2033 Universum
Angefangen hat alles mit Metro 2033 und dem Nachfolger Metro 2034. Jetzt gibt es im Russischen schon mehr als zwölf Romane und das Universum expandiert langsam in den Westen. Heyne hat neben den beiden Bänden von Glukhovsky bisher Die Reise ins Licht von Andrej Djakow gebracht, jetzt eben Das marmorne Paradies, demnächst gefolgt von Piter von Schimun Wrotschek. Die Romane sind allesamt unabhängig voneinander zu lesen, deshalb spielt die andere Reihenfolge bei der Veröffentlichung keine Rolle.
Die Bücher schildern eine mörderische, an einem nicht näher definierten Krieg, der zumindest auch atomar gewesen sein muss, zugrunde gegangene Welt. Die Überlebenden Menschen leben in Bunkern, Tunneln, U-Bahn Schächten und alle möglichen Orten, die Linderung der Strahlung verheißen. Sie kämpfen wie gehabt gegen einander, gegen eine Umwelt voll von mörderischen Mutationen und gegen Strahlung, Siechtum, Hunger, Dreck, Kälte.
Während sich Gruppen bemühen, die Reste der Zivilisation zu wahren, fallen andere auf das Niveau von Barbaren zurück, gehen mit Ästen, Pfeil und Bogen gegeneinander vor, kannibalisieren einander, verlieren die Sprache. Auch wenn im kleinen durchaus glückliche Momente zu finden sind, zeichnen sich die bisherigen Bücher der Metro 2033 Reihe durch Hoffnungslosigkeit und Resignation vor einer Umwelt aus, in der es immer schwerer wird zu überleben.
Action Version von Die Straße
Das marmorne Paradies ist eine klassische Quest. Die Helden haben eine Aufgabe zu erfüllen und begeben sich auf eine mühevolle und gefährliche Reise. Kuszenow schenkt ihnen rein gar nichts. Mit schöner Regelmäßigkeit geraten die Reisenden von einer Katastrophe in die Nächste. Dabei fährt der Autor so ziemlich alle Varianten von Bedrohung auf, die dieses Universum zu bieten hat.
Dadurch, das die Motive eines Gruppenmitglieds im Dunklen bleiben und der Charakter durchaus bedrohlich ist, schafft er ein zweites Spannungsfeld, das die Geschichte angenehm bereichert. Glänzt der bekannteste apokalyptische Roman der letzten Jahre, Die Straße von Cormac McCarthy, durch die gähnende Leere, die zwischendurch von widerlichen Gewalttaten durchbrochen wird, so geht Koszenow den umgekehrten Weg und füllt das Universum mit Unmengen von Bedrohungen aller Art.
Tiere, Mutanten, Amazonen, Zwerge, der Autor greift direkt ins Fantasy-Genre hinüber und holt sich dort ein paar passende Versatzstücke, hämmert und biegt sie zurecht, bis sie die Attraktivität eines russischen Lusters haben und jagt sie dann auf seine kleine Gruppe tapferer Reisender, die durch die Landschaft irren. Gut gelungen und gelegentlich sogar etwas irritierend. All die Hässlichkeit durchbricht der Roman immer wieder mit schönen, bildlichen Schilderungen von Landschaften und merkwürdigen Szenerien.
Das marmorne Paradies ist ein leidlich spannendes und unterhaltsames Kapitel im ständig wachsenden Metro 2033 Universum. Es bietet Abenteuer, Action, durchaus auch Witz und jede Menge Anspielungen, die für Nicht-Russen wahrscheinlich nicht sonderlich schlüssig sind – dafür gibt es die Anmerkungen. Der Roman ist eine gelungene und befriedigende Erweiterung des Universums und bringt einige neue Bedrohungen ins Spiel. Man begegnet Bekanntem und Neuem und kann sich an der apokalyptischen Szenerie dieser vollkommen devastierten Welt erfreuen. Sehr hübsch.
Hat mir sehr gut gefallen.
Kurz gesagt:
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sehr viel Action
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einige gewitzte Bedrohungen
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gelungene Erweiterung des Universums
Fazit: schöner, postapokalyptischer Roman