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[09/2011] Carlton Mellick III: Ultra Fuckers

cover mellick ultra fuckersInhalt lt. Buch: Als Tony seine Frau zur Party ihres Arbeitgebers fährt, verirrt er sich in der Einfamilienhausöde von Eagle Hill. Kein Wunder: Alle Straßen sehen gleich aus, alle Häuser sehen gleich aus, alle Leute sehen gleich aus. Alles ist gleich. Viele Kilometer später ahnt Tony, dass er aus diesem Vorstadtlabyrinth nie wieder herauskommt. Mit den Häusern stimmt etwas nicht und auch die Menschen, die ihn durch die Fenster angaffen, wirken unnatürlich … seltsam ungerührt. Dann begegnet Tony den japanischen Punkrockern der Ultra Fuckers. Sie tyrannisieren Eagle Hill – aber nur, um die Welt vor der monströsen Konsummaschine zu retten. Sagen sie. Tony schließt sich den Irren an …

Carlton Mellick III: Ultra Fuckers

(OT: Ultra Fuckers 2008) Festa 2011; ISBN: 978-3-86552-122-4; 123 Seiten; Übersetzung: Michael Plogmann; Ausstattung: Hardcover, Lesebändchen, oranges Papier (!!!), Interview mit CM3, Nachwort von Christian Endres; Buch bei Festa: hier

Die schönsten Editionen von Carlton Mellick III Büchern produziert Frank Festa. Kleine, bizarre Schmuckstücke, wunderschön und so skurril wie der Inhalt. Bücher der Liebe. (Siehe auch Die Kannibalen von Candyland)

Wirklich! Schon mal vergleichsweise eine Ausgabe von einem Ereaserhead/Deadite Buch in der Hand gehabt? Die Cover sind zum Teil nicht schlecht, der Satz und der Druck hingegen einfach nur schrecklich. Keine Ahnung ob die Leute bei Ereaserhead das bewusst so machen. Die Bücher sind nicht schön.

Gut. Zurück zu Ultra Fuckers. Ein verrücktes Buch. Wie immer bei Mellick kommen die Merkwürdigkeiten mit einer Selbstverständlichkeit daher, die manchmal geradezu ein hä, was? provoziert. Wie immer hat der Mann einen Subtext in der Geschichte mitgepackt, den man lesen kann oder auch nicht. Immer schön, die Wahl zu haben. Hier spielt er sich mit seiner eigenen Angst vor den amerikanischen Vorstädten, ihrer genormten Gleichheit und Langeweile – Tim Burtons Edward mit den Scherenhänden nimmt genau den selben Amerikanismus auf die Schippe.

Irgendwie ist Mellick selbst eine Art Punkrocker

Mellick nimmt das Edward Szenario und knallt japanische Punkrocker dazu – wer mal einen japanischen Horrorfilm oder Yakuzafilm mit Musikeinlage gesehen hat (oder Takashi Miikes The Happiness of the Katakuris), weiß ungefähr wie … gewöhnungsbedürftig japanische Musik sein kann, ganz egal welche. Die Irrfahrt von Tony liest sich wie ein Italowestern, in der der geschlagene Held durch die Wüste stolpert – nur eben eine Vorstadtwüste. Mellick schmeißt Science Fiction mit einer kräftigen Dosis Dystopie in den Mixer und generiert ein sehr eigenwilliges und originelles Werk.

Das Buch ist kurz, die Ultra Fuckers sind verrückt, die Geschichte wandert durch verschiedene Genres und alles zusammen ergibt das Vergnügen namens Carlton Mellick III. Das Interview ist lesenswert, das Nachwort von Christian Endres hat einen leichten Hang zur Überinterpretation, würde ich meinen und alles zusammen steckt in einem wirklich hübschen Buch, einem kleinen Sammlerstück.

Es bleibt mir nur, viel Vergnügen zu wünschen.

Kurz gesagt:

  • wunderschöne Edition

  • verrückt und originell

  • eben Mellick

Fazit: gehört in jede Sammlung