Inhalt lt. Buch: Die Zukunft: Eine gewaltige Flut hat die Erde unbewohnbar gemacht. Die wenigen Überlebenden versuchen verzweifelt, die Zivilisation aufrechtzuerhalten. Doch es wird immer deutlicher, dass es für die Menschheit nur einen Ausweg gibt: die Suche nach einer zweiten Heimat in den Weiten des Alls ...
Stephen Baxter: Die letzte Arche
(OT: Ark; 2009) Heyne 05/2011; ISBN: 978-3-453-26657-5; 687 Seiten; Übersetzung: Peter Robert; Ausstattung: Taschenbuch, Nachwort von Stephen Baxter
Die letzte Arche ist ein Ergänzungsroman zu Die letzte Flut. Ungefähr die Hälfte des Romans schildert die Ereignisse des vorherigen Titels aus einer anderen Perspektive. Näher darauf einzugehen hieße, vielen Lesern den ersten Roman zu verderben – ich werde mich hüten; Die letzte Flut ist ein großartiges Buch.
Naturgemäß gibt es dadurch Überschneidungen in der Handlung, allerdings auch sehr viele Mosaiksteine, die man im ersten Buch noch gerne näher beleuchtet gesehen hätte. Hier erlebt man einige Facetten zusätzlich.
Die zweite Hälfte des Buches führt die Handlung dort weiter, wo das erste Buch gestoppt hat. Hier verrate ich nichts, was nicht ohnehin schon am Buchrücken steht – ein kümmerlicher Rest der Menschheit schafft es, das Sonnensystem zu verlassen und sich auf die Suche nach einer neuen, bewohnbaren Welt zu machen. Die theoretisch technische Machbarkeit eines solchen Unternehmens wird von Baxter ausführlich dargestellt und lässt zwischendurch mal Gehirnzellen explodieren.
Ser realistisch und eindrucksvoll schildert er die katastrophalen Mühen dieser Reise und die Gefahren, die mehr von den Menschen selbst ausgehen, von ihren niederen Instinkten, ihrer Gier, dem Neid und der Ignoranz. Er schildert eine durchaus realistische Weiterentwicklung von Menschen, denen die Erde gar kein Begriff ist. Das Buch ist eine faszinierende Lektion in Sachen Vorschau auf die menschliche Faszination.
Der Roman schwächelt allerdings im Gegensatz zu seinem Vorgänger an der einen oder anderen Stelle. Der Spannungsbogen in diesem Buch bricht gelegentlich ein und es bleiben auch relativ wenige Sympathieträger übrig – eine Folge der Entwicklungen, aber das macht die Sache nicht unbedingt einfacher. Baxter fängt die Schwächen immer wieder ab und liefert dann faszinierende und eindrucksvolle Passagen, die absolut gleichwertig dem ersten Buch sind.
Zu guter Letzt hat der Autor es geschafft, die Geschichte zu einem Ende zu bringen und dabei gleich drei parallele Handlungsstränge so stehen zu lassen, das jederzeit ein weiterer Band hinzugefügt werden kann. Das wäre durchaus sogar wünschenswert, denn die vollkommen unterschiedlichen Richtungen, in denen sich die Menschheit letztlich entwickelt, verlangen geradezu nach weiterer Erforschung.
Stephen Baxer ist ein großartiger Autor. Er hat durchaus die eine oder andere Schwäche, die meist im gewaltigen Umfang seiner Werke begründet liegt. An seiner Art, Geschichten zu erzählen, mit wissenschaftlichem Unterfutter auszukleiden und voranzutreiben gibt es allerdings nicht viel auszusetzen. Er beherrscht es meisterhaft, Figuren zu schaffen, die Emotionen in positiver oder negativer Form wecken können und er macht das Vergehen von enormen Zeitspannen verständlich.
Die letzte Arche ist ein gelungener Wurf, der eine wunderbar Ergänzung zum meisterhaften Die letzte Flut darstellt. Der Ziegelstein hat die eine oder andere Schwäche und könnte unter Umständen etwas kürzer sein, aber letztlich ist es doch so: Ein Stephen Baxter mit Schwächen ist allemal besser als sehr viele Autoren mit ihren besten Büchern.
Darum lohnt sich die Lektüre allemal.
Kurz gesagt:
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alternativer Blickwinkel zum ersten Buch
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spannenden Weiterführung der Handlung
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hin und wieder einen Tick zu lang
Fazit: großer Baxter, kleine Schwächen, gutes Buch