Inhalt lt. Buch: Völlig verkatert schaut Ig Perrish in den Spiegel: Ihm wachsen Teufelshörner! Was hat er bloß in der Nacht getrieben? Dabei hat er schon sein Fegefeuer durchlebt, weil ihm niemand glaubt, dass er nicht hinter der grausamen Ermordung seiner Freundin steckt. Ig macht sich auf die Suche nach dem wahren Übeltäter, und auf einmal ist die Hölle los ...
Joe Hill: Teufelszeug
(OT: Horns; 2010) Heyne HC 2010; 542 Seiten; ISBN: 978-3-453-26561-5; Übersetzung: H.R.; Ausstattung: Hardcover, strukturierter Umschlag
Joe Hill ist originell. Er ist witzig in seiner nüchternen Schilderung von absurden Situationen. Er hat ein gutes Erzähltempo und schildert recht bildhaft, ohne auf allzu viele Worte zurückgreifen zu müssen. Er hat sehr viele Ideen, die er schön diszipliniert zum Einsatz bringt.
Mit Locke & Key textet er Comics, er hat preisgekrönte Kurzgeschichten veröffentlicht, den Sammelband Black Box und zeigt nach Blind mit seinem zweiten Roman, dass er auch in der Langform sattelfest unterwegs ist. Hill hat das Schreiben im Blut, er stammt aus einer relativ bekannten Familie von Schriftstellern. Vater und Mutter sowie sein Bruder sind in der schreibenden Zunft tätig. Joe Hill ist ein Pseudonym, das seinen Vornamen Joseph Hillstrom entspringt.
Teufelszeug ist, neben der simplen Eigenheit, ein unterhaltsames Buch zu sein, ein Roman, der sich unaufdringlich und nüchtern mit Glaubensfragen und der beständigen Frage nach Schuld beschäftigt. Und das Buch setzt sich mit der Frage auseinander, wie viel Wahrheit ein Mensch verkraften kann und ob es überhaupt wünschenswert ist, in allen Belangen die ungeschminkte Wahrheit zu erfahren, jeden intimen Gedanken zu kennen, den das Gegenüber hat, zu wissen, was jemand tatsächlich über einen Selbst denkt.
So wie sich die Sache für Ig Perrish entwickelt, ist das ganz und gar keine Erfahrung, die man im realen Alltag machen möchte. Es ist witzig zu lesen, sicher. Aber so viel Intimität und Brutalität wäre vermutlich kaum auszuhalten. Das Buch bestätigt eigentlich, was wir alle immer schon wussten: Manchmal ist eine Lüge die beste Antwort und das Freundlichste, was man seinem Gegenüber antun kann.
Teufelszeug ist also, kurz gesagt, ein spannender und unheimlicher Roman mit Tiefgang und Hintersinn. Das Buch ist voll Sex und Gewalt, voll verrückter Familiengeschichten, es ist haarsträubend, überrascht immer wieder und macht viel Spaß. Der Roman ist weder zu dick noch zu dünn und liest sich flüssig und schnell. Die Rückblenden lesen sich etwas langsamer als der Hauptstrang der Handlung, aber das fällt kaum ins Gewicht.
Ungefähr ab der Mitte des Buches kippt die Handlung in eine überraschende und unerwartete Richtung. Leichter wird das Leben für Ig dadurch nicht, nur surrealer. Auf eine sehr entfernte Art hat das Buch einen durchaus berühmte und naheliegend Quelle der Inspiration – so scheint es. Ich denke an In einer kleinen Stadt von Stephen King. Nicht, was die Handlung angeht, aber was das allgemeine Grundthema des Bösen betrifft, den überschaubaren Schauplatz in der relativen Provinz und die Fratzen die zum Vorschein kommen, wenn man die Wahrheit erzwingt.
Teufelszeug ist eines der schönen Bücher, die bis zum Schluss feine Unterhaltung liefern und ihre Leser mit einem befriedigenden Ende entlassen. Das Buch kommt ohne Gewaltexzesse aus, bietet aber im Gegenzug gewitzten Horror mit Anspruch. Eine angenehme Abwechslung.
Kurz gesagt:
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intelligenter Horror
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viel Humor
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unterhaltsam und clever
Fazit: ein rundum befriedigendes Buch