Inhalt lt. Büchern: Als auf der Erde die fossilen Brennstoffe zur Neige gehen, beschließt man, die in den Tiefen der Ozeane gelegenen heißen Lavaströme als Energiequellen zu nutzen. Doch die Welt dort unten ist nicht für Menschen gemacht - und so ist die Durchführung des Projekts eine mehr als heikle Aufgabe. Noch heikler allerdings ist die Tatsache, dass die Taucher auf dem Meeresgrund etwas aufstöbern, das das Ende der menschlichen Zivilisation bedeuten kann ... ... In den Tiefen der Meere hat sich eine bakterielle Lebensform entwickelt, die - einmal an Land gekommen und freigesetzt - zum Zusammenbruch der menschlichen Zivilisation geführt hat. Ganze Landstriche sind verseucht, die Städte verwüstet, die letzten Menschen versuchen verzweifelt, der Bedrohung Herr zu werden. Doch vor den tödlichen Mikroben kann man sich nur dort verstecken, wo sie einst hergekommen sind: auf dem Grund des Ozeans ...
Peter Watts: Abgrund; Mahlstrom; Wellen (Rifter Trilogie)
(OT: Starfish; 1999 / Maelstrom; 2001 / Behemoth: Book One & Two; 2004 & 2005) Heyne Tb‘s 06/2008; 03/2009; 09/2009; gesamt ca. 1693 Seiten; ISBN: 978-3-453-52446-0; ISBN:ISBN: 978-3-453-52565-8; Übersetzung: Sara Riffel; Ausstattung: 978-3-453-52508-5; Taschenbücher
Vorab 1
Ich habe mich vor längerer Zeit entschieden, mehrbändige Werke nur mehr zu lesen, wenn alle Bücher erschienen sind. Das führt natürlich zu einigen Verzögerungen, so ist der erste Band dieser Trilogie schon 2008 auf Deutsch erschienen. Dazu kam noch die lange Liste von Titeln, die es abzuarbeiten galt, darum ist die Rifter Trilogie erst jetzt dran.
Vorab 2
Wenn man auf die Website von Peter Watts geht, findet man hier einen Blogeintrag, der ein Foto von einer Lenie Clarke ähnlichen Erscheinung in Second Life enthält ... Rifter-Chic, der den Weg aus dem Buch hinaus gefunden hat. Sehr nett. Oh, und die Uwe Boll Anmerkung von Peter Watts würde ich nicht all zu Ernst nehmen - Watts hat einen sehr schrägen Humor.
Rifter
Die Rifter Trilogie sind drei zusammen hängende Bücher, deren Handlung zwischen 2050 und 2056 spielt und die ein extrem tristes Bild unserer Welt zeichnen. Der erste Band spielt beinahe ausschließlich am Grund des Ozeans und Peter Watts als Meeresbiologe versteht sich hervorragend darauf, das Leben im Wasser und die Bedingungen in einer Station im Meer zu schildern.
Man kann Watts viele Dinge vorwerfen, aber Optimismus gehört auf keinen Fall dazu. Selten nimmt ein Autor eine derartige Ansammlung von Psychokrüppeln, Misanthropen, Einzelgängern, Psychopathen, gefährlichen Irren, Fanatikern und Sonderlingen zur Hand, um daraus das gesamte Personal seines Romans zu formen. Tristesse, Trauma und Hoffnungslosigkeit als Grundstimmung, auf denen eine wissenschaftlich fundierte, äußerst spannend erzählte Geschichte aufgesetzt wird, die an einem heißen Sommertag tatsächlich das Gefühl der Kühle verbreitet.
Rifter-Chic
Mit dem zweiten Buch wechselt Watts zum beträchtlichen Teil auf das Land und malt hier das Bild der tristen Hoffnungslosgkeit mit feinem Pinselstrich weiter, vergrößert den Ausschnitt zu einem Gemälde. Teile des Personals aus dem ersten Roman werden ausgetauscht, ersetzt oder durchlaufen grobe Veränderungen, neue Protagonisten kommen hinzu und von wenigstens einem Hauch Optimismus gibt es weiterhin keine Spur. Im Gegenteil.
Mit dem zweiten Buch bekommt die psychische Derangiertheit einen weiteren heftigen Drall in Richtung Steigerung. Hochtechnologie und totales Elend stehen einander in scharfem Kontrast gegenüber, der Blutzoll steigt beträchtlich und Menschlichkeit fungiert als Sinnbild für Perversion.
Das dritte Buch verteilt die Handlungslast gleichmäßig auf das Wasser, das Land und die Virtualität, schraubt die Grundelemente Perversion, sexuellen Sadismus und Evolution des Schreckens noch eine Drehung fester. Es ist gewiß kein Spoiler zu sagen, dass man kein Happy End erwarten kann, allerdings auch keine vollkommene Tristesse. Oder vielleicht ist es das auf vertrackte Art doch. Ich würde sagen, das ist eine Sache der persönlichen Interpretation.
Käsehirn & Behemoth
Absolut in den Bann ziehend sind die quer durch das Buch verlaufenden Schilderungen von der Entwicklung alternativer Lebensformen. Software, biologische Zellklumpen, Urwesen. Watts ist ein Meister darin, die Evolutionen zu einem spannenden Erlebnis zu machen. Seine Schilderungen sind soweit man mit der eigenen jämmerlichen Halbbildung erkennen kann, logisch, faktisch fundiert und absolut realistisch.
Vor allem der Realismus ist erschreckend, da wie schon bei Blindflug Seiten über Seiten mit Sekundärliteratur und Hinweisen auf die Inspiration aufgelistet sind. Man könnte beinahe Angst bekommen.
Besonders irrwitzig und faszinierend ist das Gedankenspiel, das Watts in Bezug auf das Internet und die Entwicklung von semi-intelligenter Software angestellt hat.
Die Trilogie von Peter Watts ist ein randvolles Füllhorn realistischer Schrecken, denen man sich als Leser mit Wonne aussetzt. Ich bin – unschwer zu erkennen – höchst angetan von den Rifter Romanen, so wie mir auch Blindflug ausnehmend gut gefallen hat. Watts versteht sich meisterlich darauf, grundlegende Themen orignell und mit ganz eigenem Blickwinkel zu bemerkenswerten Büchern aufzuarbeiten. Ich kann es kaum erwarten, wieder einen Roman von Watts zu lesen.
Kurz gesagt:
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meisterhaft, detailreich, abartig
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unglaublich pessimistisch
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fesselnd und originell bis zum Schluß
Fazit: Absolut uneingeschränkt empfehlenswert
Soweit meine Meinung. Kommentare, Widerspruch, Zustimmung, Anmerkungen, etc. sind jederzeit willkommen.