Inhalt lt. Buch: By 2057 the commercial exploitation of the Solar System is in full swing. The burgeoning new economies in near-Earth space are fuelled by a steady stream of comets, steered back home by huge nuclear-powered mining ships. They call it pushing ice. Bella Lind and the Crew of the Rockhopper are nearing the end of their current mission cycle and desperate for some much-needed rest and relaxation - until startling news from Saturn arrives. Janus, one of Saturn's ice moons, has inexplicably left its natural orbit and is now heading out of the Solar System at high speed. As layers of camouflage fall away, it becomes clear that Janus was never a moon in the first place, but some kind of machine, and it's now headed towards a fuzzily glimpsed artefact in the star system Spica, two hundred and sixty light-years away. Rockhopper is the only ship anywhere near Janus, and Bella Lind is ordered to catch up and shadow it for the few vital days before it falls for ever out of reach. Bella agrees to accept the mission, and in doing so sets her ship and her crew on a collision course with destiny, a course that will test friendship and loyalty to the limits: for Janus has many surprises in store - and not all of them are welcome ...
Alastair Reynolds: Pushing Ice
Gollancz HC 2005; ISBN 0-575-07438-8; Ca. 457 Seiten; Ausstattung: Hardcover, Schutzumschlag
Fabelhafter erster Satz
Her name was Chromis Pasqueflower Bowerbird and she had travelled a long way to make her case.
Musik für den Verstand
Die britischen Hardcover Ausgaben der Alastair Reynolds Bücher werden von einem Zitat aus der The Times geziert: A mastersinger of the space opera. Als geneigter Leser kann ich mich dieser Aussage nur anschließen: Alastair Reynolds ist tatsächlich ein Meister der Space Opera.
Space Opera
Die Dimensionen eines Reynolds Romans sind so gut wie jedes Mal Galaxisweit. Virtuos springt der Autor über Zeiträume und Distanzen, führt seinen Leser an physikalische Effekte und Entwicklungen heran, die schon beim Versuch, sich diese Dinge vorzustellen, sehr schnell in die Nähe der Grenzen dessen gehen, was die Vorstellungskraft aufbieten kann.
Hier springen wir (anfangs) für Reynolds gerade mal bescheidene 260 Lichtjahre weit weg. Es geht gleich ein kompletter Mond, Janus, einer der Saturn Monde, stiften (heißt, er haut ab). Nun, auch das ist nicht so ungewöhnlich bei Reynolds, der schon mal mit Galaxien um sich schmeißt. Wie immer bleibt Reynolds dabei halbwegs innerhalb der Grenzen der Wissenschaft, dehnt die uns vertrauten Dinge nur ungeheuer auf, um eine fesselnde Geschichte darüber zu erzählen, wie die Anfänge der Vertreitung des Menschens zwischen den Sternen ausgesehen haben.
Erstens, ganz anders und zweitens, als man erwartet.
Vom Sprengen der Grenzen
Pushing Ice (Himmelssturz) ist ein abgeschlossener Roman, bei dem es sehr wahrscheinlich ist, dass er eine Fortsetzung erhalten wird. Teile der Geschichte können weiter gesponnen werden, sowohl in einer Nebenhandlung wie auch im Hauptstrang. Aber das sollte niemanden hindern, dieses Monstrum von Buch zu lesen, weil das Ende rundum befriedigt.
We push ice. It‘s what we do.
Die Geschichte selbst hat zwei Frauen im Fokus, deren Schicksal über Jahrzehnte unentrinnbar aneinander geknüpft ist. Die Geschichte greift rasch über diese beiden Frauen in galaktische Dimensionen, ohne je den Konflikt der beiden außer Acht zu lassen.
Mit gelegentlich satirisch anmutenden Sprengseln Richtung Wirtschaft, Politik und Medien gewürzt, ist Pushing Ice sicherlich nicht jener Reynolds Roman mit dem allergrößten Horizont – Da hat das Haus der Sonnen schon weit gewaltigere Dimensionen. Und die Romane des Revelation Space sind sowieso eine eigene Kategorie des grandiosen Wahnsinns.
Aber Pushing Ice macht dieses – ähm, vorgebliche – Manko durch einige sehr verrückte Begegnungen für Leser und Protagonisten wieder wett und durch einige Irritationen, die daraus hervorgehen. Das ist einfach gesagt ziemlich spannend und vergnüglich.
Alastair Reynolds gehört wie Iain Banks oder (früher?) auch Stephen Baxter zur Spitze jener Hard SF Autoren, die es mit Leichtigkeit verstehen, dem Leser unendlich weite Horizonte zum Staunen zu öffnen. Reynolds gehört auch zu jenen Autoren, die am Besten sind, wenn sie riesige, dicke Schmöker schreiben. Seine Novellen sind zwar sehr gut, aber der wahre Kick liegt in den Werken, die das Format eines Ziegelsteins haben. Spannend, unterhaltsam, monumental, originell.
Kurz gesagt:
- großes Kino in Buchform
- spannende Geschichte
- dramtisch und opernhaft
Fazit: wie immer bei Reynolds absolut ein Vergnügen
Soweit meine Meinung. Kommentare, Widerspruch, Zustimmung, Anmerkungen, etc. sind jederzeit willkommen.