Inhalt lt. Buch: Die ferne Zukunft: die Existenz unseres Universums steht auf dem Spiel. Meister-Creatoren planen seine vollständige Zerstörung - und damit die Auslöschung allen schöpferischen Lebens. Schon beginnen die Sterne, in einem großen schwarzen Nichts zu verschwinden. Die letzte Hoffnung der Menschheit beruht auf den geheimnisvollen Kriegern der Stille, den letzten Abtrünnigen, die dem grausamen Imperium der Kirche des Kreuzes noch Widerstand bieten. Einer unralten Legende zufolge müssen sich zwölf Auserwählte vereinen, um das Universum vor dem Untergang bewahren zu können. Doch auf die Zwölf warten große Hürden, bevor sie zueinanderfinden können - einige sind tiefgefroren in Sarkophagen der Kirche des Kreuzes gefangen, andere haben sich auf unzugänglichen Welten versteckt, und einige wenige wissen noch nicht einmal, welche rooe sie bei der Rettung des Universums spielen werden. Die Zeit wird knapp - und ihre Feinde sind mächtig ...
Pierre Bordage: Die Sternenzitadelle
(OT: LA Citadelle Hyponeros; 1995) Heyne 06/2010; ISBN 978-3-453-52510-8; 668 Seiten; Übersetzung: Ingeborg Ebel; Ausstattung: Trade Paperback
Nach Buch 1: Die Krieger der Stille und Buch 2: Terra Mater ist Die Sternenzitadelle der dritte Band der monumentalen Space Opera Trilogie von Pierre Bordage. Bordages prächtiger und vom Größenwahn gekennzeichneter Zyklus kommt mit diesem Band zum wohl verdienten Finale. Wieder sind die Zahlen dieses Buches beeindruckend, tausende Welten, Milliarden Opfer, alles ist monströs und kreischbunt.
Bordage hat durch den Verzicht der Einhaltung gewisser physikalischer Wahrscheinlichkeiten ein grandios gewaltiges Sternenreich geschaffen, in dem es von unterschiedlichen Kulturen nur so wimmelt. Es ist ihm meisterhaft gelungen, mit seiner Gestaltung von Welten, Kulturen, mit Phänomenen und auch der bizarren Namensgebung Staunen und Bewunderung auszulösen. Zumindest ich bin ziemlich beeindruckt von der scheinbaren Leichtigkeit mit der er dieses kosmische Panorama entworfen hat.
Es stört nicht sonderlich, dass sich der Autor einer altmodischen Terminologie bedient und in seiner Schilderung von diversen Waffen und technischen Errungenschaften zu einer Form greift, die an das Golden Age der Science Fiction erinnert, etwas steif und etwas naiv, zugleich begeistert, vielleicht so etwas wie Isaac Asimov mit einem Hauch Perry Rhodan. Das hat einen ganz eigenen Charme und funktioniert in diesem Epos wunderbar.
Der erste Band war grandios. Der zweite Band war verdammt gut, hat aber unübersehbare Anzeichen eines Entgleitens in Fantasy, Märchen und vor allem die Esoterik erkennen lassen. In diesem Buch ist die Science Fiction endgültig zum Beiwerk für esoterischen Mystizismus in Märchensprache geraten, was letztendlich auch das Finale bestimmt und den Höhepunkt ... ruiniert. Beinahe zweitausend Seiten Spannung münden in einen totalen Anitklimax.
Nostalgiereise ins Hippie All
Bordage hat sich hoffnungslos in sein esoterisches Geschwurbel verfangen und keinen Weg heraus gefunden. Er hat noch versucht mit einer klassischen Science Fiction Nebenhandlung, von der in den anderen Büchern nicht der Hauch zu spüren war und die auch entsprechend aufgesetzt wirkt, die Science Fiction zurück in die Geschichte zu zwängen. Aber letztendlich hat er nicht genau gewusst, wie er dieses Element vernünftig unterbringen soll und es bizarr und übereilt entsorgt.
Die überraschend vielen Sexszenen helfen auch nicht, von den dominierenden Schwächen des Buches abzulenken. Auch die brutalen Gewalttaten, Morde, Kämpfe, Tötungen und Vergewaltigungen retten nicht über das große Manko des Romans hinweg.
Weltraumblähungen
Im Grunde gibt es rein gar nichts gegen eine Space Opera zu sagen, die auf mehr oder weniger wissenschaftliche Fundamente verzichtet und wild fabuliert. Das macht Spaß und führt oftmals zu vergnüglichen Begegnungen der unerwarteten Art.
Dumm ist es nur, wenn die Sache derart daneben geht, dass man zu guter Letzt schon beginnen möchte, lange Seiten mit Erläuterungen von Kräften der Sufis und Gurus und Mönchsritter und weiß der Teufel was noch alles, zu überblättern.
Und es ist nicht gut, wenn das Buch in eine peinlich kitschiges Heldenepos gerät, das an die übleren Momente der Heldenehrungen in den Star Wars Filmen erinnert. Bordage scheitert letztendlich auch daran, dass er die meisterhaft aufgebaute Bedrohung durch die geheimnisvollen Scaythen und der scheinbar allmächtigen In-Creatur total trivialisiert.
Er macht in seinem Buch dieselben Fehler, die George Lucas bei Episode I-III unterlaufen sind, er verhaut auf ähnliche Art dieses Buch, wie die Geschwister Wachowski Matrix II und III ins Lächerliche gezerrt haben. Er versucht sich an der Schöpfung von Göttern, kreiert aber nicht mehr als esoterische Blähungen.
Bordage hat neben der Trilogie auch die Drehbücher für zwei französische Science Fiction Filme geschrieben, Dante 01 von Marc Caro, sowie Eden Log. Auch hier sind seine Themen unverkennbar, die Beschäftigung mit Esoterik und Religion und Philosophie und auch hier sind die Schwächen von Bordage unverkennbar, nämlich ein befriedigendes Ende zu finden.
Kurz gesagt:
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spektakulär im Größenwahn
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das Finale total mißglückt
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an den eigenen Ansprüchen gescheitert
Fazit: grandioser Zyklus im Finale gescheitert

Soweit meine Meinung. Kommentare, Widerspruch, Zustimmung, Anmerkungen, etc. sind jederzeit willkommen.
Kommentare
Sternenzitadelle
Ich teile diese Meinung vollkommen. Der negativen Rezitation noch hinzuzufügen wären
- das Nutzen von Klischees und Stereotypen. Charaktere werden polarisiert in gut und schlecht, wobei das Wesen der Figuren, ganz wie in billigsten Groschenromanen, am Äußeren zu erkennen ist: Ausnahmslos alle positiven weiblichen Charaktere sind wunderschön, teilweise als "göttinnenhaft" schön beschrieben. Der negative Charakter drückt sich in Häußlichkeit aus, etwa bei den Damen der herrscherlichen Orgien oder den Hängebrüsten der skeletthaften Imperatrix. Auffallend seicht fällt die Beschreibung der männlichen Protagonisten aus.
- Hübsche weibliche Nebenfiguren haben einen Hang dazu, gräulich ums Leben zu kommen. Vorher bekommt der (männliche) Leser die Gelegenheit, eine postive (leider ausnahmslos auf Sexualität beruhende) Beziehung zu ihnen aufzubauen. Das Ableben ihrer männlichen Pendants beschreibt Bordage praktisch in Fußnoten. Hat der Autor ein Problem mit Frauen? Die Beschäftigung mit Dame Sibrit erscheint mir ein deutliches Indiz dafür zu sein.
- Mit wenigen Ausnahmen alle Nebenfiguren werden umgebracht. Auf die unschöne Weise. Ein weiteres Merkmal von Groschenromanen.
- Obwohl die Handlung auf viele Handlungsstränge verteilt wird, bleibt sie fast linear. Die Spannungsbögen sind flach. Die Spannung reduziert sich ausschließlich auf das "Just-in-time"- Tool (schaffen sie es rechtzeitig, die Teleporter zu besteigen?). Aus der Handlung selbst heraus entwickelt sich keine Spannung.
- Die Ausflüge in esoterische Welten zeugen nicht von einer fundierten Sachkenntnis. Die Erörterungen verbleiben auf dem Niveau der Boulevard-Presse, und verschiedene Geistesrichtungen werden haarsträubend miteinander verwoben.
==> ich habe das Buch in zwei Tagen gelesen. Kein schmeichelhaftes Urteil.
Re: Sternenzitadelle
Hallo!
Voll zutreffende Analyse des Buches, vielen Dank! Die extrem unausgewogene Behandlung der Mann/Frau Thematik bei Bordage ist mir gar nicht so bewußt geworden ... obwohl nachträglich gesehen ist es offensichtlich - da bin ich wohl beim Lesen nach und nach zu ungeduldig mit dem Buch geworden!
Groschenroman bringt die Sache perfekt auf den Punkt.
LG, Alex