Inhalt lt. Buch: In einer Welt, die bevölkert ist von wandelnden Toten, die nur die Gier auf lebendes Fleisch antreibt, richten sich die Überlebenden ein. Jahre vergehen ... Irgendwann erwacht in einigen der Untoten ein Bewusstsein. Sie begreifen, wer sie waren, was sie verloren, was sie getan haben. In ihrer Traurigkeit erkennen die Zombies jedoch auch die Gefahr, die von der Bestie Mensch ausgeht ...
Kim Paffenroth: Dying to Live – Die Traurigkeit der Zombies
(OT: Dying to Live: Life Sentence; 2008) Festa Tb 2011; 271 Seiten; ISBN: 978-3-86552-127-9; Übersetzung: Doris Hummel; Ausstattung: Taschenbuch; Buchseite: Festa
Die Traurigkeit der Zombies ist die Fortsetzung von Vom Überleben unter Zombies – und ein bemerkenswertes Buch. Nur kurz vorab – das Cover ist wie Greg Gifune: Blutiges Frühjahr oder Richard Laymon: Furien oder auch Das rote Zimmer (Rezension demnächst) leicht aufgeraut mit angedeutet abgenutzter Haptik – das greift sich wunderbar an und sieht cool aus.
Im ersten Buch haben wir mehr oder weniger Menschheit beim Reboot erlebt. Jetzt sind seit dem Neustart einige Jahre vergangen und es zeigt sich eine unerwartete Neuentwicklung. Das Buch wird zwei Perspektiven erzählt und da wir sofort in die Handlung einsteigen ist es kein Spoiler zu verraten, dass eine Sicht auf die Welt von einem Zombie geschildert wird.
Zombies mit Hirn
Kim Paffenroth fühlt sich definitiv wohl, wenn er philosophieren und Probleme wälzen kann. Das Buch beschäftigte sich viel mit den Problemen des Menschseins und schildert unsere Gegenwart aus einer Perspektive, die für jemanden der in einer ganz anderen Art von Welt aufgewachsen ist, mehr Kuriosum als sonst Etwas darstellt – und das witzige daran: Man sieht die eigene Welt durch diese Augen und findet sie im Grunde ihres Seins total absurd und lächerlich.
Auch die Dinge aus der Sicht der Zombies zu schildern, hat, wenn es wie in diesem Fall sehr gut durchdacht ist, einen ganz eigenen Reiz: Paffenroth hat es damit vollkommen überzeugend geschafft, eine Szenerie wie aus einem Science Fiction Film zu gestalten, in dem Menschen einer Alienrasse begegnen, die ihnen trotz vager Vertrautheit ziemlich unverständlich erscheint. Funktioniert hervorragend und ist zwischendurch ziemlich spannend.
Hirnlose Menschen
Die Evolution der Zombies weckt Sympathien für die Untoten, und nicht alle Neuentwicklungen in Sachen menschlicher Zivilisation sind angenehm oder gar vernünftig. Wie immer scheitert die Menschlichkeit an den Menschen und das ist, wenn auch keine neue Beobachtung, wieder einmal wirkungsvoll und nur zu glaubwürdig vorgeführt. Allerdings geht die Sache über das Konzept der s/w Malerei hinaus – Paffenroth ist darum bemüht, Vielschichtigkeit darzustellen. Das scheint mir sehr gelungen zu sein.
Die Traurigkeit der Zombies ist eine jener Fortsetzungen, die den ersten Roman übertreffen. Der war, mit ein paar winzigen (sehr subjektiven) Abstrichen, ein schönes Stück Zombieliteratur. Die ganz andere Erzählweise dieses Buches und die hochinteressante Entwicklung der Untoten machen den zweiten Band zu einer kleinen Perle.
Buch mit Hirnschmalz
Es macht in meinen Augen keinen Sinn, dieses Buch ohne Vorgänger zu lesen. Dazu beruft sich der Roman zu sehr auf Geschehnisse und persönliche Verhältnisse. Die spielen im Endeffekt zwar nur eine untergeordnete Rolle, aber einige Figuren sind ohne das vorherige Buch kaum verständlich, auch die Gesellschaft mit ihrer ganz eigenen Ethik macht mehr Sinn, wenn man weiß, woher die Personen kommen.
Die Traurigkeit der Zombies ist ein sehr schöner und intelligenter Beitrag zum Universum unserer untoten Freunde. Es ist spannend und originell und schafft es immer wieder, beim Leser unterschiedliche Emotionen zu wecken – feine Sache.
Kurz gesagt:
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schöner und cleverer zweiter Band
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gut durchdachte, gut erzählte Geschichte
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rundum gelungen
Fazit: lesenswerter, befriedigender Zombiethriller.