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[06/2011] Joe R. Lansdale: Der Teufelskeiler

Lansdale Teufelskeiler CoverInhalt lt. Buch: Während der Großen Depression in Osttexas sieht sich der junge Richard Dale gezwungen, einen wilden Eber zur Strecke zu bringen. "Old Satan", wie die Bestie im Volksmund genannt wird, verwüstet Felder und bedroht Menschen gleich welcher Hautfarbe. Aber wie soll einem 15jährigen gelingen, was nicht einmal sein Vater schafft, der immerhin ein berühmt-berüchtigter Boxer ist?

 

Joe R. Lansdale: Der Teufelskeiler

(OT: The Boar; 2008); Shayol 2008; 141 Seiten; ISBN: 978-3-926126-84-9; Übersetzung: Richard Betzenbichler; Ausstattung: Trade Format, Klappbroschur, Titelbild und s/w Illustrationen von Henning Ahlers; Buchseite: Shayol

Ah, Joe Lansdale. Was für ein wunderbarer Autor. Ich liebe ihn. Lansdale ist ein vielseitiges Genie. Ob er jetzt historische Themen in Angriff nimmt, beinharten Horror, überdrehten Splatter oder Crime/Thriller und Western erzählt, er bleibt immer sich selbst treu. Das merkt man all seinen Büchern an – er ist Joe Lansdale, der schreibt, weil er diese Geschichte erzählen will, ohne Rücksicht darauf, in welchem Genre sie beheimatet ist.

Der Teufelskeiler ist ein relativ kurzer Roman, der in den frühen 1930er Jahren vor dem Hintergrund der Großen Depression angesiedelt ist und in jene Welt eintaucht, die er schon so wunderschön in Die Wälder am Fluss geschildert hat. Lansdale braucht nicht viele Seiten, um vor dem Auge seines Lesers prächtige Stimmungsgemälde entstehen zu lassen.

Es ist ein Buch über das Erwachsen werden, über Einsamkeit, Hoffnung und die Angst vor dem Unbekannten. Selbst wenn man sich nicht für Jagd interessiert, spielt das keine Rolle, denn der Keiler ist nur das Mittel zum Zweck, der Vorwand für die eigentlichen Themen des Romans, von Lansdale klar, bildgewaltig und authentisch dargestellt.

Der Teufelskeiler ist ein rundum gelungener Roman mit etlichen bizarren Momenten, die hier nicht verraten werden sollen. Lansdale ist eben immer er selbst und keiner kann ihm vorwerfen, nicht stets eine prallvolle, knallbunte Wundertüte voll seltsamer Ideen parat zu haben. Was diesen Autor so besonders macht, ist das perfekte Gleichgewicht, in dem alle Elemente des Romans stehen. Sei es die zarte Seite, das Grobe, seien es die stimmungsvollen Momente und die verrückten Einlagen. Die Melange ist perfekt.

Ein kurzes Buch, eine knapp gehaltene Rezension. Joe R. Lansdale zu lesen lohnt sich immer. Wer ihn kennt, wird mir wohl zustimmen. Wer ihn kennenlernen möchte, Der Teufelskeiler ist ein phantastischer Einstieg in die wunderlichen, schönen, morbiden, groben und, wie in diesem Fall, auch überaus sensiblen Welten, die dieser Autor für seine Leser im Angebot hat.

Lansdale hat sehr viel geschrieben, davon ist nur relativ wenig auf Deutsch erschienen (u.a.: Akt der Liebe; Der Gott der Klinge) und noch weniger ist erhätlich. Ihn auf englisch zu lesen kann etwas anstrengend sein, da er sehr viel sprachlichen Texasslang benutzt – nicht einfach zu verstehen. Deshalb sei diese schön übersetzte Ausgabe, deren perfekt gelungenes Cover die Stimmung des Buches gekonnt einfängt (klingt geschwollen, ist aber so :-)), jedem interessierten Leser wärmstens empfohlen.

Ich fürchte, es ist ziemlich offensichtlich, wie sehr ich Lansdale schätze. Aber wie könnte ich nicht?

Kurz gesagt:

  • wunderschöne Geschichte

  • authentisches Flair

  • brutal und sensibel zugleich

Fazit: Joe Lansdale ist ein großer, lesenswerter Autor.