Inhalt lt. Buch: Er ist brillant. Er kennt keine Angst. Und er ist eine tickende Zeitbombe: Gideon Crew hat ein Aneurysma im Gehirn, das ihn jederzeit töten kann. Doch gerade das macht ihn zum idealen Agenten für eine Organisation, die immer dann ermittelt, wenn ein Fall für die US-Behörden brenzlig wird - denn Gideon hat nichts zu verlieren und setzt sich auch der größten Gefahr aus ... ... ... (Gideon Crew, Atomphysiker und passionierter Angler, wird aufgrund seiner Vergangenheit von einer auf "Fehleranalyse" spezialisierten Firma engagiert herauszufinden, was ein chinesischer Wissenschaftler ins Land geschmuggelt hat. Ist er ein Überläufer oder hat er Waffenpläne mitgebracht? Doch Gideon ist nicht der einzige, der hinter dem Mann her ist und sein Gegner ist absolut skrupellos...)
Douglas Preston & Lincoln Child: Mission – Spiel auf Zeit
(OT: Gideon's Sword; 2011) Droemer 05/2011; ca. 426 Seiten; ISBN: 978-3-426-19903-9; Übersetzung: Michael Benthack; Ausstattung: Hardcover, Umschlag, geprägte Schrift
Das Universum von Douglas Preston und Lincoln Child ist um eine neue Buchserie und einen eigenwilligen Protagonisten gewachsen. Und wie sollte es bei den beiden Autoren anders sein, über eine Nebenfigur werden die Gideon Crew Romane mit einigen anderen Büchern verknüpft, die zum Teil selbst wieder in Verbindung mit weiteren Titeln stehen. Ein faszinierendes Spiel.
Der erste Gideon Crew Thriller ist lose mit dem Soloroman Ice Ship verbunden – wobei dieses Buch selbst über eine Nebenfigur mit dem Pendergast Roman Attic verbunden ist. Weiters wird über die selbe Figur mit den Pendergast Romanen Dark Secret und Maniac, verknüpft. Beide Romane gehören zur Diogenes Trilogie. (Ein halbwegs brauchbarer Überblick über den Wirrsinn der Verknüpfungen findet sich hier. Achtung, milde Spoiler möglich)
Superheld mit Schwächen
Mission stellt uns einen Helden vor, der für einige Überraschungen gut ist. Das einzigartige Problem seines Aneurysma macht ihn unberechenbar und risikobereit. Gideon ist weder ein James Bond noch ein Agent Pendergast. Er kann nicht gut genug mit Waffen umgehen und es fehlt ihm viel von der Vornehmheit dieser beiden Helden. Gideon Grew hat eine kriminelle Vergangenheit, einevon realistischen Problemen beeinflusste Gegenwart und eigentlich keine Zukunft.
Dieser Mangel an nötiger Rücksicht sorgt für jede Menge Krach, Waffeneinsatz und Zerstörung. Die Action des Buches bricht mit Tempo und Wucht eines Schnellzugs über den Leser herein und reißt Gideon Crew auch gelegentlich gegen seinen Willen mit. Er ist definitiv kein Superheld, der sich sauber aus jeder blöden Situation befreien kann. Er muss sich auf seine Ideen und sein Improvisationstalent verlassen.
Gideon Crew ist ein moderner Sherlock Holmes. Er ist clever, denkt in ungewöhnlichen Bahnen und ist geradezu ein Meister der Verkleidung. Zu lesen, wie der damit Freund und Feind hinters Licht führt, ist überaus amüsant. Leider hat er auch das Talent, ihm nahestehende Personen in tödliche Schwierigkeiten zu bringen – und nicht immer geht die Sache für die Betroffenen gut aus.
Schemen und Themen
Wie eigentlich alle Romane des Duos folgt auch Mission einigen Eigenheiten, die beträchtlich zum Vergnügen beitragen, den die Lektüre eines Romans von Preston/Child ausmacht. Formell wäre da die Schreibweise zu erwähnen, die ohne verschachtelte Sätze und weitschweifige Erklärungen auskommt, sondern prägnant und pointiert auf das Wesentliche konzentriert ist. Das sorgt für Tempo und hält einige inhaltliche Elemente im Bereich des Verständlichen – wichtig.
Inhaltlich ist allen Büchern gemeinsam, das sie sich auf wissenschaftliche Elemente stützen. Technik, Physik, Biologie, Astronomie, was auch immer. Dieses Element ist der McGuffin des Romans, die treibende Kraft. Für die Handlung wird daraus immer wieder eine realistisch erscheinende, technische Fiktion, die Schritt für Schritt an Bedeutung gewinnt. Das ist spaßig zu lesen, vor allem, wenn es wie in diesem Roman, durchaus ein Zwinkern zwischen den Zeilen zu lesen gibt.
Preston und Child schreiben pure Unterhaltung, gekonnt, gut recherchiert, oft genug schamlos übertrieben, aber mit vergnüglicher Leichtigkeit, die das Lesen ihrer Romane zu einem Genuss macht. Das muss man den beiden neidlos zugestehen, sie beherrschen die Kunst der spannenden Unterhaltung mit traumwandlerischer Sicherheit.
Das Universum von Preston und Child
Gideon Crew ist eine Art Gegenpol zu Aloysius Pendergast. Die hauchdünne Verbindung über die eine Nebenfigur kann sich auswachsen oder gekappt werden, das spielt keine Rolle. Crew ist ein Vertrauter, bei dem man sich sofort wohlfühlt, obwohl er eine Art wandelnder Wundertüte voll unerwarteter Überraschungen zu sein scheint.
Die gekonnte Verbindung aus vertrauten Eigenheiten und neuartigen Elementen ist in der Figur von Gideon Crew eine harmonische Verbindung eingegangen und sorgt für das uneingeschränkte Vergnügen, einen spannenden Actionfilm im Kopf zu erleben. Ein unberechenbarer Protagonist, sehr gut gezeichnete Antagonisten, sympathische Nebenfiguren und eine verrückte Geschichte – mit Vollgas ins Vergnügen. Preston und Child, Genuss ohne Reue.
Dieser Thriller ist dazu gedacht, seinen Lesern viel Spaß zu bereiten und das erreicht er uneingeschränkt.
Kurz gesagt:
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spannend und witzig
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sympathischer Protagonist
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Preston und Child in Bestform
Fazit: beste Unterhaltung