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[05/2010] Warren Ellis: Gott schütze Amerika

Warren Ellis Gott schuetze Amerika Inhalt lt. Buch: Privatdetektiv Michael McGill ist einer, der Probleme und Geistesgestörte anzieht, ohne es zu wollen. Und genau so einen kann die US-Regierung gut gebrauchen. Der Stabschef des Präsidenten erteilt ihm den Auftrag, die "Geheime Verfassung des Landes" aufzuspüren. Mit ihr will sie den moralischen Verfall und die Pornografisierung der Bevölkerung aufhalten und die Bürger wieder in eine Zeit zurückversetzen, als Freundlichkeit, Gottesfurcht und Mutterns Apfelkuchen alles war, was zählte. Also macht sich McGill auf die Reise durch die Abgründe Amerikas, weil die Regierung glaubt, dass dort am ehesten die "Geheime Verfassung" zu finden sei. An seiner Seite hat er ein polymorph-perverses Tattoo-Girl namens Trix. Gemeinsam treffen sie auf Bodybuilder, die sich Salzösung in die Hoden spritzen, debile texanische Milliardäre und viele weitere kranke Gestalten, die Sie sich in Ihren wildesten Fantasien nicht hätten vorstellen können.



Warren Ellis: Gott schütze Amerika

(OT: Crooked little Vein; 2007) Heyne 08/2009; 302 Seiten; ISBN: 978-3-453-40655-1; Übersetzung: Conny Lösch; Ausstattung: Taschenbuch; Bonusmaterial: Hintergründe, Interviews, Kochrezepte, u.a.

Seeehr lustig

Ich hatte jetzt mehrmals hintereinander das Vergnügen, Bücher mit einem perfekten ersten Satz zu lesen, der sofort klar gemacht hat, was man zu erwarten hat. Auch dieses Buch lässt keinen Zweifen daran offen, was dem geneigten Leser alles vor die ungläubig aufgerissenen Augen kommen wird: »Ich schlug die Augen auf und sah, wie die Ratte in meinen Kaffeebecher pisste.«

Seeehr ordinär

Makroherpetophile. Über Dinge wie diesen Begriff, seine Bedeutung und vor allem die Umsetzung habe ich erst angefangen nachzudenken, nachdem ich in diesem Buch darüber gestolpert bin. Das ist nicht unbedingt eine erfreuliche Vorstellung. Aber lustig. Bis zu diesem Buch wäre es mir nie in den Sinn gekommen, dass man ernsthaft zwischen Gozilla und Bukkake eine Verbindung herstellen kann. Hä? Umpf! Bä! Hihi!

Seeehr pervers

Dann wäre da noch das aufpumpen der Hoden mit warmen Salzwasserlösungen. Hm. Und sehr viel mehr absolut bizarre und entzückend abartige Dinge, die selbst erfahrene Leser von extremen Bücher einfach so überraschen können. Aber mehr erzähle ich nicht, weil das würde doch den gelegentlichen Anfall von angeekelter Überraschung verderben. Dass sich hinter diesen vergnüglichen Schweinereien ein bitterböses, satirisches Meisterwerk versteckt, ver-x-facht die Freude an der Lektüre.

Seeehr anders

Jedes Mal, wenn man der Meinung ist, es kann nicht verrückter oder ekeliger werden, setzt Ellis noch eins drauf. Der Roman ist ein fabelhaftes Beispiel dafür, welch großartige Lektüre ein Buch sein kann, wenn der Autor keinerlei Scheu davor hat, jede ekelige Absurdität, die ihm einfällt, auch niederzuschreiben, ohne sich selbst zu zensieren. Wenn Ellis sich tatsächlich selbst gebremst hat, dann meine Güte, was geht in seinem Kopf alles vor? He he he. Der Mann hat eine MENGE Spaß.

Seeehr verwirrend

Stimmt das? Nicht wirklich! (Ätsch! Hihi!) Warum? Weil Ellis im Nachwort die entsprechenden Hinweise darauf liefert, dass er von den ganzen Perversionen in seinem Buch so gut wie nichts frei erfunden hat. Für einige Sachen verweist er sogar auf die entsprechden Quellen. Und DAS ist wirklich gruselig. Denn dann könnte man dieses Buch ja als eine Art ... lesen ... würg ...

Seeehr ignorant

Oh – und liebe Buchhändler: Bloß weil hinten am Cover das Wort Privatdetektiv steht, hat der Roman nichts bei den Krimis verloren! Aber sowas von überhaupt nicht! Stellt Ellis dort hin, wo ihr Chuck Palahniuk stehen habt, zu John Niven und zu Matias Faldbakken. Die stehen alle miteinander nicht beim Krimi.

Seeehr befriedigend

Gott schütze Amerika ist ein kleines, feines Meisterwerk der Satire. Der Roman ist flott geschrieben, bedient sich – welch Überraschung bei diesen Protagonisten – einer unaufwendigen Sprache und ist hundsordinär. Ich habe zwischendurch schallend gelacht – was spät in der Nacht keine sonderlich clevere Idee ist. Wer seinen Ekel überwinden kann und einen ausgeprägten Sinn für nachtschwarzen Humor hat, findet hier eines der besten Bücher der letzten Jahre.

Kurz gesagt:

  • seeehr unterhaltsam
  • seeehr obszön
  • seeehr böse

Fazit: ein wunderbares, kleines Meisterwerk, seeehr empfehlenswert

 

Soweit meine Meinung. Kommentare, Widerspruch, Zustimmung, Anmerkungen, etc. sind jederzeit willkommen.