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[04/2011] Ronald Malfi: Tod in Neverland

cover malfi neverlandInhalt lt. Buch: Kelly Rich, die sich von ihrer Familie abgewandt hat, muss nach Hause zurückkehren, als ihre Schwester in einen mysteriösen Unfall verwickelt wird. Nach jahrelanger Verdrängung der Ereignisse, die sie zur Flucht bewogen, taucht sie ein in die Traumwelt ihrer Kindheit, denn nur so kann sie das Geheimnis ihrer Vergangenheit lüften und ihre Schwester retten. Aber in der unheimlichen Ortschaft Spires, ihrer einstigen Heimat, lauern im Wald tödliche Geheimnisse, und nichts ist, wie es scheint. Wirkloichkeit und Fantasie verschmelzen, als sich Kelly ihrer Rolle in den Tragödien stellt, die ihre Familie heimsuchen ...

Ronald Malfi: Tod in Neverland

(OT: The Fall of Never; 2004) Otherworld 2011; ISBN 978-3-8000-9537-7; 508 Seiten; Übersetzung: Michael Krug; Ausstattung: Trade Paperback, Klappbroschur, geprägter Titel; Inhalt: Roman; 11 Diskussionsfragen

Ronald Malfi ist eine der zahlreichen genialen Entdeckungen, die Verleger Michael Krug zu uns gebracht hat. Das Cover des Buches spiegelt die Stimmung des Inhalts: Malfis Roman lebt von einer wirklich eindrucksvoll geschilderten Stimmung. Ganz im Gegenteil zu den allseits beliebten und leckeren Gedärmeschlachten setzt Malfi darauf, den Leser jeden Augenblick eine kalte, knochige Hand auf der Schulter erwarten zu lassen, ein Rascheln oder Knacken in der finsteren Wohnung, ein kalter, modriger Geruch, der plötzlich die Nase kitzelt.

Erinnert sich jemand noch an den großartigen Film The Others von Alejandro Amenabar? Genau, das gruselige Filmchen mit Nicole Kidman und den Kindern in der großen Villa, dem ständig wabernden Nebel und dem merkwürdigen Hauspersonal. Oder auch sehr passend als Vergleich – Stephen King: Es. Das Buch, nicht der Film. Auch hier erzeugte der Roman dieses ständige Gefühl von Bedrohung, von etwas Unheimlichen, das immer dort lauert, wo man gerade nicht hinsieht. Man wusste von der ersten Seite an, dass jeden Augenblick etwas Schreckliches geschehen würde und trotzdem konnte man nicht aufhören.

Tod in Neverland ist genauso. Eine Meisterleistung. Auch ohne krampfhaft zu versuchen, eine tiefere Analyse vorzunehmen (wer will, kann dazu die Diskussionsfragen am Schluss des Buches hernehmen), ist es unschwer zu erkennen, das der Roman sich sehr intensiv mit der Innenwelt seiner Protagonisten beschäftigt, das es um Unterbewusstsein, um Ängste, Kindheitstrauma, Kindstod und anderen Stoff für Albträume geht.

Aber hauptsächlich bekommt man einen wunderbaren, sehr schön geschriebenen Schauerroman zu lesen, der stark genug ist, sich darauf zu verlassen, seine Wirkung vorwiegend über Stimmung und Atmosphäre zu erreichen. Und Malfi erreicht sein Ziel. Er erreicht es so gut, dass sogar seine Protagonistin andauernd vor Angst in die Hosen pinkelt.

Tod in Neverland ist ein rundum gelungener Horrorthriller, der sich auf das Unterbewusstsein konzentriert und dadurch effektiv sein Ziel erreicht, den Leser zu gruseln. Das wirkt beinahe altmodisch, stellt aber eine sehr willkommene und gelungene Abwechslung zu den Splatterwerken dar, die (regelmäßige Leser dieser Seiten wissen das) überaus viel Spaß bereiten.

Malfi fügt sich nahtlos in eine Reihe von Entdeckungen des Verlegers Michael Krug: Brian Keene (jetzt bei Heyne), Scott Sigler (jetzt bei Heyne), David Moody (jetzt bei Goldmann), Owl Goingback, Robin Gates, Sean Williams (Star Wars Autor), Brian Moreland, Jeff Strand, Michael Laimo, Gord Rollo und jetzt eben Ronald Malfi.

Krug hat ein Händchen für Autoren, das muss man ihm neidlos zugestehen. Und, das kann ihm auch niemand mehr nehmen, er hat sie als Erster auf Deutsch herausgebracht. Auch wenn der eine oder andere Autor merkwürdigerweise nur wenig Publikum gefunden hat, waren doch vergnügliche Perlen dabei – Owl Goingback oder Michael Oliveri zum Beispiel. Höchst bedauerlich auch: der dritte Jeff Strand Roman um Andrew Mayham wird nicht erscheinen. Eine Ära ist zu Ende und der Verlust ist auf unserer Seite – ein rühriger Kleinverlag mit aufregenden Entdeckungen, vom Fan für Fans, hat sich verabschiedet.

Kurz gesagt:

  • phantastischer Stimmungsroman

  • düster, unheimlich, packend

  • sehr schön geschriebener und beschriebener Albtraum

Fazit: ein echt tolles Buch

[Eigenwerbung: Mein virtuelles, vorgebliches Sozialleben auf Facebook]