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[04/2011] r.evolver: The Nazi Island Mystery

Cover TNIMInhalt lt. Buch: Europa, 20 Minuten in der Zukunft. Das Vierte Reich regiert mit eiserner Hand - und ist zugleich eine absurd-surreale Entertainmentfabrik. UFO-Mutterschiffe besuchen die Erde nur, um für intergalaktische Fernreisen zu werben. Aliens fechten auf unserem Planeten mit Laserpistolen den Wettstreit der Ideologien aus. Und auf einer mysteriösen Nazi-Insel im Mittelmeer machen Sado-Lederbräute und verrückte Wissenschaftler gefährliche Experimente. Im allgemeinen Irrsin gibt es nur eine, die Freiheit und Demokratie retten kann: Kay Blanchard, Agentin des britischen MI6, sex- und drogensüchtig und mit einer ungesunden Vorliebe für Mord im Staatsauftrag ...

 

r.evolver: The Nazi Island Mystery

Evolver Books 2010; Taschenbuch; ISBN 978-3-9502558-0-5; 135 Seiten; Ausstattung: Taschenbuch; Inhalt: A Wahnsinn

Man stelle sich vor, Quentin Tarantino produziert einen Modesty Blaise Film – ah, das hat er ja schon getan, hat nur niemand gesehen. Also anders rum. Man stelle sich vor, Peter O'Donnell, Autor der Modesty Blaise Romane, hätte sich mit Jess Franco, Regisseur berüchtigter Trash-Filme, auf einen Packen geworfen und die beiden hätten gemeinsam einen Hybrid-Bastard ihrer berühmtesten Kreaturen geschaffen, also: Modesty Blaise als Schwester von Ilsa, Ilsa Blaise alias Kay Blanchard.

So irgendwie. Bis daher ist die Sache noch nachvollziehbar, aber ab jetzt wird es kompliziert. Anschließend wäre der Herr Tarantino gekommen, hätte die Geschichte gelesen und daraus einen dystopischen Nazi-Film mit merkwürdigem Soundtrack gemacht. Zufällig trifft er dabei im Wiener Prater auf den Lars von Trier, der gerade wieder mal auf der Suche nach Stoff für düstere Filme (Zitat: "No more Happy Endings!"*) ist.

Darum dreht Lars schnell ein paar Pornoszenen für Tarantino, der in einem versifften Archiv gerade ein paar Filmschnipsel mit blöden Außerirdischen aufgetrieben hat, diese lustig findet und in seinen Film stopft. Und weil es grad so modern und in ist, wird das Ganze in 3D ins Kino gebracht. Das macht in dem Zusammenhang zwar keinen Sinn, kommt aber gut.

Bond, Blaise, Blanchard – Absicht?

Das Ergebnis so eines Drogenrausches kann man nachlesen. In diesem Büchlein. Vollkommen durchgeknallt. Sehr witzig. Hübsch ordinär. Wunderbar gelungener Trash. Handliches Format. Der will-mehr-davon-lesen Effekt ist gratis eingebaut.

Das Buch hat was von einem italienischen 80er Jahre Actionstreifen mit Klaus Kinski in der Hauptrolle. Fehlt nur noch Udo Kier. Aber der taucht ja immer wieder in Lars von Trier Filmen auf. Und damit schließt sich der Kreis. Damit könnte ich jetzt beruhigt eine Ilsa DVD aus der hinteren Reihe meiner Sammlung fischen, und nachher noch ein paar Seiten Modesty Blaise lesen – mit dem Kay Blanchard Roman bin ich ja leider schon durch, verdammt.

Ernsthafter vorletzter Absatz: The Nazi Island Mystery ist ein fröhlich ungenierter Trash-Roman, der sich ganz bewusst in den gängigen Klischees suhlt, Unfug in Kauf nimmt und den Leser mit Soundtrack Vorschlägen vor jedem Kapitel erheitert. Geheimagenten, Nazis, Uniformfetisch, deftiger Sex, Wien, Aliens, noch ein paar Nazis. Das ganze Sortiment.

Ernsthafter letzter Absatz: Das Buch ist frei von verkrampfter politischer Korrektheit oder dem langweiligen übermitteln von bedeutsamen Botschaften. Keine Gehirnblähungen. Statt dessen ungebremstes Vergnügen, Ironie und Spaß. Stimmige Aufmachung, kleines Format, dünn – ein Taschenbuch, das tatsächlich in die Tasche passt!

Finale Worte: Ist doch super! Direkt beim Verlag zu erwerben, und damit einen Beitrag zur Wahrung der kulturellen Vielfalt leisten! Toll, was?

Kurz gesagt:

  • wüster Trash

  • höchst vergnüglich

  • rundum gelungen

Fazit: Nachschub her! Nachschub her!

*Diesen Satz hat Trier tatsächlich gesagt – im Zusammenhang mit seinem neuen Film, dem Science Fiction Streifen Melancholia (Trailer)

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