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[04/2011] Paul Melko: Der Ring

Cover Melko RingInhalt lt. Buch: Die Erde in ferner Zukunft ist praktisch nicht wiederzuerkennen: Neunzig Prozent der Weltbevölkerung sind nach einer globalen Katastrophe verschwunden. Das einzige Relikt aus der Vergangenheit ist ein gewaltiger, erdumspannender Ring, den die Menschen damals konstruiert haben. Unter den verbliebenen Erdenbewohnern befinden sich auch Strom, Meda, Quant, Manuel und Moira. Das genetisch modifizierte Quintett bildet die personelle Einheit Apollo Papadopulos, die darauf programmiert ist, wie ein einziger Mensch zu denken, zu fühlen und zu handeln. Was hat es mit diesem Ring auf sich? Was ist mit der Menschheit geschehen? Der Kampf gegen unbekannte Gegner führt Apollo nicht nur quer durch Süd- und Nordamerika, sondern schließlich zu dem sagenumwobenen Ring - und damit zum dunkelsten Geheimnis der Menschheit ...

Anmerkung: die Inhaltsangabe ist eine (wortgetreue) Verschmelzung von Rückentext und Innentext, die  zusammen grob die ungefähre Handlung wiedergeben.

Paul Melko: Der Ring

(OT: Singularity's Ring; 2008) Heyne TB 03/2011; ISBN: 978-3-453-52765-2; 414 Seiten; Übersetzung: Ulrich Thiele; Ausstattung: Taschenbuch

Schickes Cover! Schicker Inhalt: Wir haben einen ganzen Stapel klassischer Zutaten: Ein Ring um die Erde, keine neue Idee, aber immer wieder für interessante Variationen gut. Die Pod-People oder Schwarm-Intelligenz. Auch das gab es schon mal, auch das ist immer für eine Erneuerung gut und gern gesehen. Eine von Menschen entvölkerte Erde, ein klassisches Thema, vortrefflicher Stoff. Von Geheimdiensten und Mächten, die geheimnisvolle Dinge tun, von Genetik und Co., da brauchen wir erst gar nicht reden – das ist die Grundlage eines beträchtlichen Prozentsatz aller SF Romane, Thriller usw. …

Der Ring

Paul Melko hat all diese Dinge genommen und einen Roman geschrieben, der in schönen Bildern schwelgt. Seine Schilderungen der leeren Erde sind anschaulich, der Ring ein tolles Ding, auch wenn uns nur wenige Momente darin beschert werden. Die Sache mit der menschlichen Schwarm-Intelligenz ist gut durchdacht, auch die Hintergrundgeschichte dazu ist stimmig. Melko sorgt für Abwechslung. Das Buch wird aus den unterschiedlichen Perspektiven der einzelnen Mitglieder eines Ich-Quintetts geschildert. Es gibt, sollte man meinen, keinen Grund zur Klage.

Aber: Irgendwie befriedigt der Roman nicht so, wie er sollte. Sowohl der englische wie der deutsche Titel verweisen auf dieses grandiose, technische Artefakt. Das Teil selbst spielt dann aber irgendwie nur eine Nebenrolle. Sicher, da ist das Fiale, aber auch hier ist es nur ein Mittel zum Zweck. Vielleicht hat Melko noch ein, zwei Bücher in der Schublade, in denen der Ring erkundet wird. Sonst erscheint es ein wenig unverständlich, warum dieser Gimmick links liegen gelassen wird.

Der Schwarm

Die andere Sache ist der der Protagonist/en, der Schwarm. Das Schicksal und die Abenteuer der Gruppe berühren nicht. Es ist egal, was ihnen zustößt, man liest mit distanzierter Gleichgültigkeit. Auch die inneren Konflikte, die viel Potential bieten würden – wie schaffen es fünf Personen immer wieder, einen Konsens zu finden, um handlungsfähig zu bleiben, weil sie alleine nicht entscheidungsfähig sind – sie sind weder interessant noch fesselnd, eher etwas nervig.

Ich bin sicher, Ulrich Thiele hat sich bemüht, dem Buch einen Schliff zu verpassen. Aber Melko wirkt etwas unausgewogen, schwankt zwischen kurzen, simplen Sätzen und längeren Schachtelsätzen. Melko schwankt ebenso etwas zwischen der ausführlichen Schilderung diverser Details und einer gewissen Unschärfe, die nach Hast wirkt. Das macht die Lektüre gelegentlich etwas … unrund. Was im Grunde keine Störung darstellen würde, wenn da nicht die Gleichgültigkeit den Hauptfiguren gegenüber wäre.

Der Ring ist kein ein schlechtes Buch, aber es ist leider auch nicht befriedigend. Das Buch birgt jede Menge Potential für aufregendes Geschehen, schafft es aber nicht, die Spannung zu vermitteln. Es fehlt an Sympathie für die Figuren und es mangelt daran, das man als Leser nicht gefesselt und in den Bann gezogen wird. Das ist schade, weil das Cover wirklich hübsch ist und tollen Inhalt verspricht.

Kurz gesagt:

  • Protagonisten lassen kalt

  • etwas zu viel nicht genutztes Potential

  • vereinzelte gute Momente

Fazit: bleibt hinter den geweckten Erwartungen zurück

[Eigenwerbung: Mein virtuelles, vorgebliches Sozialleben auf Facebook]

Cover Melko Ring gr