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[04/2011] Alisha Bionda, Michael Krug: Painstation

 

Painstation CoverAlisha Bionda, Michael Krug (Hrsg.): Painstation

Voodoo Press 2011; ISBN: 978-3-9502701-9-8; 204 Seiten; Übersetzung: Michael Krug; Ausstattung: Paperback; Inhalt: Anthologie; Illustrationen: Mark Freier

Alisha Bionda ist, was die Zahl der von ihr zusammengestellten Anthologien betrifft, extrem umtriebig. Sie konzentriert sie sich auf deutschsprachige Autoren, was in dem einen oder anderen Fall schauderhafte Erinnerungen weckt (das Buch soll ungenannt bleiben). Um so erfreulicher, Painstation ist sehr gut gelungen.

Michael Krug ist ein Entdecker, der uns deutschsprachigen Lesern Brian Keene, David Moody, Scott Sigler, Sean Williams, Ronald Malfi, Gord Rollo und einige andere Perlen der Phantastik gebracht hat.

Krug und Bionda haben schon als Verleger/Herausgeberin zusammen gearbeitet und so hat Michael Krug Painstation mit einigen seiner Autoren aufgefettet. Insgesamt sind es 10 Geschichten von Oliver Kern, Thomas Plischke, Harald A. Weissen, Ronald Malfi, Marc-Alastor E. E., Tanya Carpenter, Daniel G. Keohane, Florian Hilleberg, Brian Keene sowie Karl-Georg Müller.

Thematisch ist diese Anthologie nicht festgelegt, von Vampiren über Sado-Maso bis zu kleinen merkwürdigen Kreaturen, Werwölfen und anderem Gesocks ist alles vertreten. Das ist insofern von Vorteil, weil es bunt und abwechslungsreiche bleibt. Fans von Themenanthologien haben diesbezüglich Pech, aber könnten ein paar lesenswerte Geschichten entdecken. Jede der Geschichten hat eine s/w Illustration bekommen. Hübsch.

Oliver Kern – Der Fremdwohner: eine sehr gelungene Sache, was Stimmung und Spannung betrifft. Auf das wesentliche konzentriert.

Thomas Plischke – Death View: ist eine witzige, sogar böse kleine Story – und unbedingt Stoff für iFans und Apps.

Harald A. Weissen – Nachtsendung: Grenzgenial! Böse, ekelig, Horror, Science Fiction, richtig geisteskrank und widerlich. Ein absoluter Hit. Eine der Höhepunkte der Sammlung.

Ronald Malfi – Painstation: Ausgezeichnet. Wer seinen wunderbaren, großartigen Tod in Neverland gelesen hat, wird überrascht sein. Das hier ist ganz anders. Tolle Sache.

Marc-Alastor E. E. - Der Dorn im Auge: Eine unoriginelle Variation von Edgar Allan Poe – Das verräterische Herz. Für mich der absolute Tiefpunkt dieses Buches.

Tanya Carpenter – Bruderblut: sehr schwach. Vom sehr klassischen Setting bis zum Finale. Da hilft auch der Sex nicht. Das historische Setting überzeugt – auch sprachlich – leider gar nicht.

Daniel G. Keohane – Amelia: irritierend und verwirrend. Nicht unbedingt einfach zu durchschauen, worauf das hinauslaufen soll. Nicht schlecht, nicht wirklich gut, aber ganz ok.

Florian Hilleberg – Beute: cool. Hat Tempo, ist brutal, läuft auf eine böse Pointe hinaus und konzentriert sich auf das minimale Setting. Sehr gut.

Brian Keene – Mr. Chickbaum: Eine sehr gute und äußerst unbehagliche Geschichte. Mit kleinem Kind und Katze. Fies. Sehr befriedigend und merkwürdig erheiternd.

Karl-Georg Müller – Ich schneide sie in Stücke!: Prolog des Romans Stählerne Seelen, ab 10/2011. Eine Jack the Ripper Sache. Wirkt etwas wirr, leicht holprig. Könnte aber eine interessante Geschichte sein. Bin mal auf den Roman gespannt.

Sechs der Geschichten sind sehr gut und uneingeschränkt lesenswert. Das ist ein ausgezeichneter Schnitt. Zwei Geschichten sind durchschnittlich und zwei sind totale Flops. Die meisten Anthologien beinhalten den einen oder anderen Totalschaden, hier stimmt das Verhältnis zum Rest. Wenn man die Reihenfolge beim Lesen ändert und nicht jener des Buches folgt, dann wird die Sache ein vergnügliches Erlebnis mit starkem Ende. Ich hätte Harald A. Weissen oder Ronald Malfi als letzte Geschichte genommen.

Voodoo Press ist ein Kleinverlag, bei dem es sich lohnt, auf das Programm zu achten. Die Vorschau präsentiert sich ehrgeizig mit einem schönen Hang zu Bizarro und ganz bösen Büchern. Deutsche und englische Autoren, Romane und Anthologien, die volle Bandbreite.

Mögen die Übersetzungen gut werden und die Pläne fruchten. Diese Anthologie kann man jedenfalls empfehlen.

Kurz gesagt:

  • einige ausgezeichnete Geschichten

  • schnell und leicht lesbar

  • eine gelungene Zusammenstellung

Fazit: Gute Anthologie mit einigen bemerkenswerten Höhepunkten