Inhalt: Ein Virus killt die Bevölkerung und mutiert sie zu Zombies. Aus den Vereinigten Staaten wird Zombieland. Columbus, jung, männlich, Jungfrau voller Ticks und Spleens, hat bisher dank seiner persönlichen Regeln überlebt. Auf der Suche nach seinen Eltern trifft er auf Tallahassee, einen nicht minder schrägen Typen, der seine Berufung als Zombiekiller gefunden hat. Beide werden von den den Schwestern Wichtia und Little Rock übers Ohr gehauen, erst einmal, dann ein zweites Mal, ehe sie sich zu einem Team zusammenschließen. So geht die Reise durch das Land, Richtung L.A., Richtung Zombiemassaker ...
Zombieland
USA 2009; 2.35:1, ca. 88min R: Ruben Fleischer B: Rhett Reese, Paul Wernick D: Woody Harrelson, Jesse Eisenberg, Emma Stone, Abigail Breslin, Bill Murray
Land of the Dead
Zombieland bietet eine grandiose Einstiegssequenz. In drastische, splattrigen Super-Slow-Motion Szenen sieht man die Menschheit, die von den Zombies überrannt wird. Wirklich toll und vor allem auch sehr witzig gemacht. Eigentlich sogar die beste Sequenz des Films. Der Soundtrack liefert mit Metallica und For Whom The Bells Tolls den perfekten Song – auch wenn Metallica eigentlich Scheiße sind. Aber die Aufbereitung der Szenen ist grandios. Anders kann ich das nicht bezeichnen.
Auch die Idee, den absoluten Anti-Helden Columbus und seine merkwürdigen, jedoch sinnvollen Überlebensregeln dergestalt einzuführen, das die besagten Regeln als Schriftzug im Film auftauchen, auf Autos, am Asphalt, als aktiver Bestandteil der Szene, ist sehr witzig gelöst.
Tallahassee, der von Woody Harrelson gespielte Zombiekiller mit Mission (die Suche nach einem Twinkie), ist auch eine sehr witzige Erscheinung. Übellaunig, agressiv, ein Macho aus dem Lehrbuch. Seine verzweifelte Suche nach dieser superklebrigen, chemischen Süßigkeit ist wunderbar. Die erste Begegnung von Tallahassee und Columbus enthält eine musikalische Verbeugung vor Ennio Morricone und den Spaghettiwestern von Sergio Leone mit Clint Eastwood. Hinhören!
Der Film ist ungeniert brutal und blutig und ekelig, genau richtig, um Spaß zu bereiten. Soweit die Theorie.
Day of the Dead
Tempo und Witz halten bis zur Mitte an. Dann gibt es eine leider eine Spur zu langatmige Begegnung mit Bill Murray, die ebenso blöd wie lustig endet. Murray zeigt hier, wie verdammt gut er sein kann. Er verbindet Absurdität mit Ernsthaftigkeit und präsentiert seine Szenen mit augenzwinkernder Ironie. Leider versaut die Regie den Auftritt durch Überlänge und holprigen Schnitt.
Ab da verliert der Film beträchtlich. Blöderweise wird versucht, ernsthafte Töne anzuschlagen und Tiefgang in die Unbeschwertheit des Zombiekillens zu bringen. Was soll das denn? Die Macher versuchen, das Beziehungsgeflecht der Reisegefährten auf eine neue Ebene zu hieven, Columbus und Wichita miteinander zu verbandeln und sie geben Tallahassee einen tragischen Hintergrund. Der Film artet in langatmige Szenen aus. Ein Coitus interruptus des Zombiefilms. Sehr bedauerlich.
Night of the Living Dead
Das große Finale und Schlußgemetzel findet im Vergnügungspark statt und auch hier liefert der Film nicht, was er eingangs versprochen hat. Die Witze sind platt geworden und der Mexican Stand-Off von Woody Harrelson ist unbeholfen inszeniert.
Dadurch gerät das Ganze zu einer unglaubwürdigen Groteske, obwohl gerade ein Vergnügungspark viele bizarre Möglichkeiten zum Killen bereit hält. Der von Woody Harrelson herrlich dargebrachte Waffenfetischismus, der sich direkt vor seiner Rolle in Natural Born Killers verneigt, wird total vergeigt.
Zombieland nutzt in der gewaltigen Kulisse des Vergnügungsparks leider nur einen Bruchteil der Möglichkeiten für ein mitreißendes Finale. Ein paar witzige Ideen, jedoch ohne Zusammenhang aneinander gereiht und verschleppt. Ausgerechnet eine laaaange Szene in einer Geisterbahn spielen zu lassen ist nur mehr ärgerlich, beinahe pubertär dumm.
Diary of the Dead
Einer der großen Pluspunkte des Films zu Beginn wandelt sich nach und nach zu einem der großen Minuspunkte: Das mündliche Tagebuch von Columbus, indem er uns von seinen Befindlichkeiten erzählt: von seiner ersten Begegnung mit einem Zombie; von seinen Neurosen und den Überlebensregeln betreffend Toiletten – und seiner Angst vor Clowns!
Hier kommen Clowns als negative, furcheinflößende und später sogar als ekelige Gestalten rüber (ein nicht ganz gelungener Moment, der weit mächtiger hätte sein müssen, um der Angst von Columbus gerecht zu werden). Das ist endlich einmal eine angemessene filmische Darstellung für diese widerlichen Figuren. Clowns sind obszön, gruselig und nicht komisch.
Columbus hätte dieses Buch niemals lesen können. Jedenfalls wird die Erzählstimme nach und nach lästig, weil die Gedanken immer banaler werden und auch überflüssig, da die Handlung zeigt, was Columbus erzählt. Er braucht nicht höflich zu umschreiben, wie geil er auf Wichita ist – man sieht, wie er weißen Saft aus den Poren schwitzt.
Survival of the Dead
Zombieland war unglaublich erfolgreich. Logisch, die unvermeidliche Fortsetzung. Zombieland ist sehr derb und blutig, die Zombies sind grausig, wie es sich gehört, obwohl es schlimmer sein darf. Die Hauptfiguren unterhalten, nur Columbus nervt nach einer Weile.
Der Beginn ist wirklich grandios, die erste Hälfte ist stark, da stimmt einfach alles. Aber die zweite Hälfte sackt ziemlich ab, hier haben die Macher gepatzt. Sie haben kein Shaun of the Dead abgeliefert, keinen Planet Terror geschafft und liegen weit abgeschlagen hinter Braindead, Peter Jacksons Zombie-Meisterwerk. Aber Potential ist vorhanden.
Kurz gesagt:
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grandioser Beginn
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schwaches Finale
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trotzdem guter Film
Fazit: alleine die Einstiegssequenz ist den Film wert
Soweit meine Meinung. Kommentare, Widerspruch, Zustimmung, Anmerkungen, ect. sind jederzeit willkommen.
Kommentare
Cameo vorweggenommen
Hi,
mir hat der Film rundherum gut gefallen daher kann ich Deine Kritik nicht ganz teilen aber Geschmäcker sind bekanntlich verschieden.
Nur, ich wußte vorher nichts von Bill Murrays Cameo und war daher umso erfreuter von seinem Kurzauftritt. Wenn Du in Deiner Besprechung aber explizit auf ihn hinweist nimmst Du anderen Filmfans diese Überraschung. Ich denke ein Hinweis auf einen "Cameo eines genialen/bekannten/etc. Schauspielers" würde es ebenso tun.
Auch dass Du bestimmte Storyelemente in Deiner Besprechung vorwegnimmst, (Columbus + Wichita, Tallahassees Hintergrund) finde ich nicht so toll.
Klar sind das jetzt nicht die ganz großen Spoiler und storytechnisch sieht man das als Kinogänger auch durchaus kommen (zumindest die Lovestory), trotzdem nimmst Du dem Film etwas seiner Spannung wenn Du diese Dinge bereits in deiner Kritik so dezidiert ansprichst.
Ansonsten gut geschriebener Artikel und generell nette Site.
lg
passagier
Re: Cameo
Hallo Passagier,
ich achte eigentlich darauf, in meine Rezensionen keine Spolier einzubauen. Bei Zombieland ist es mir anscheinend nicht wirklich gelungen, die Grenze zu finden, ab der man von einem Spoiler ausgehen kann.
Bill Murrays Auftritt war schon lange bevor der Film in den USA gestartet war ein Thema auf zahlreichen Filmseiten und stand auch schon lange in der IMDb (hier) angeführt. Von daher dachte ich nicht, dass das noch eine Überraschung sein könnte. Sorry.
In der Lovestroy und Tallahassees Hintergrund habe ich ehrlich gesagt nicht mehr gesehen als klassische Standardelemente in einem Genrefilm, die eine kurze Verschnaufpause zwischen Splatter und Action darstellen ... wie in hunderten mehr oder weniger komischen Horrorfilmen.
Für dich waren es Spoiler, für mich wäre es eine angenehme Überraschung gewesen, wenn diese Elemente gefehlt hätten. Darum setze ich gerne die Inhaltsangaben von Pressetexten oder bei Büchern den Klappentext etc. voran, weil das in den meisten Fällen Spoiler vermeiden könnte - oder wie in diesem Fall auch nicht, hrmpf.
Ich werde bei Teil 2 darauf achten, mich nicht zu verplappern ;-)
Danke für deine freundlichen Worte.
Lg, Alexander