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[03/2011] Gord Rollo: Amputiert

Rollo Amputiert CoverInhalt lt. Buch: Michael Fox ist im Begriff, Selbstmord zu begehen, als ihm ein Fremder zwei Millionen Dollar anbietet. Alles, was er dafür will, ist Fox' rechter Arm. Doch das ist erst der Anfang. Die Pläne des geheimnisvollen Chirurgen gehen weit über einen schlichten Arm hinaus. Und Fox ist nicht der einzige "Spender". Gefangen hinter den Türen des Operationssaals muss Fox feststellen, dass er einem Wahnsinnigen in die Falle gegangen ist ... und es kein Entrinnen gibt.

Gord Rollo: Amputiert

(OT: The Jigsaw Man; 2006) Otherworld 03/2011; ISBN: 978-3-8000-9538-4; 333 Seiten; Übersetzung: Michael Krug; Ausstattung: Trade Paperback, Klappbroschur, geprägter Titel

Ach du Scheiße! Was für ein großartiges Buch! Wer Jeff Strand, Richard Laymon und Brian Keene schätzt, wird auch sein uneingeschränktes Vergnügen an Gord Rollo haben. Bizarr, makaber, böse, tragisch, grotesk, ernsthaft, idiotisch. Alles ist da.

Das Michael Fox das Angebot annimmt, ist noch leicht nachvollziehbar. Am Ende, zerstört, obdachlos, einsam und unglücklich – was zum Geier hat er schon groß zu verlieren? Viel mehr, als er denkt und weit mehr, als sich der Leser zu Beginn vorstellen kann.

Eine Groteske

Was Michael Fox passiert, ist derart überdreht und grotesk, das es beinahe einer Schmierenkomödie gleicht. Aber es ist eine bittere und ernsthafte Komödie, die auf unbehagliche Art nachvollziehbar und glaubwürdig ist. Dazu kommt der Tonfall, in dem Fox seine Geschichte erzählt. Beinahe ironisch und amüsiert, obwohl er es ganz und gar nicht ist.

Im Gegenteil, eigentlich erzählt er die traurige Geschichte eines tragischen Schicksals. Der Stoff, für den Literaturkritiker schwärmen und mit denen man Preise absahnen kann, wenn man ordentlich Tragik und Realismus in den Text schaufelt. Aber Gord Rollo denkt da anders und so trägt der Kontrast zwischen Stil und Inhalt, zwischen tragischem Realismus und aufgedrehter Absurdität beträchtlich zum makabren Reiz der Geschichte bei.

Ein Horror

Amputiert ist sicherlich nicht das blutigste Buch der letzten Zeit. Es glänzt natürlich mit einigen äußerst deftigen und köstlich ekelhaften Einlagen. Aber der wahre Schrecken sind jene Dinge, die Fox zustoßen. Da reicht alleine die Vorstellung, um auf detaillierten Splatter leicht verzichten zu können. Und Rollo sorgt schon dafür, das die Leser sich nur allzu deutliche Bilder davon machen können, was gerade geschieht.

Dazu kommt die gnadenlose Konsequenz, mit der Rollo die Geschichte vorantreibt. Schritt für Schritt werden die Dinge schlimmer, makabrer und aussichtsloser. Trotz des leichten Tons und einigen bewusst haarsträubenden Einlagen kann man sich nur schwer vorstellen, das dieses Buch mit einem Happy End oder einem Funken Hoffnung aufwartet.

Eine Bösartigkeit

Man staunt beim Lesen darüber, wie konsequent die Dinge ihren Lauf nehmen. Über die Perversion des Menschlichen. Über die Komik und darüber, wie glaubwürdig selbst die verrückten Szenen wirken. Chuck Palahniuk, der ein Meister der glaubwürdigen Extremgroteske ist, hätte diese Geschichte nicht besser erzählen können.

Das Buch ist aus der Sicht von Michael Fox geschildert und bedient sich einer flüssigen, klaren Sprache ohne Zweideutigkeiten. Ein zügig lesbarer Roman, dessen Tempo und Boshaftigkeit ungebremstes Vergnügen ... naja, ein besseres Wort fällt mir gerade nicht ein ... bieten. Das Buch ist bis zur letzten Seite spannend weil man befürchten muss, dass das Ende ... entweder gut oder schlecht ist (ha ha ha). Es ist genau richtig. Die Auslegung ist eine Sache des Lesers.

Eine Empfehlung

Viel mehr kann und möchte gibt es nicht zu sagen, weil jeder Leser das Buch für sich selbst entdecken muss – ich kann es wärmestens empfehlen. Gut, Leser die als härtesten Stoff Agatha Christie vertragen, sollten vielleicht die Finger davon lassen. Aber sonst gibt es keinen Grund, einen Bogen um dieses Werk zu machen.

Kurz gesagt:

  • tragische Groteske

  • spannend bis zur letzten Seite

  • originell erzählt

Fazit: absolut uneingeschränkt lesenswert