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[03/2011] Brian Keene: Die Verschollenen

Keene Verschollenen Heyne CoverInhalt lt. Buch: Eine neue Staffel der Reality-TV Show Castaways wird gedreht. Für Becka, Jeff, Troy und die anderen Kandidaten winken eine Million Dollar für denjenigen, der es bins ins Finale schafft und als letzter auf der Insel bleibt. Nach ein paar Tagen kündigt sich jedoch ein gewaltiger, tropischer Wirbelsturm an, und der Sender lässt die Kandidaten mit einem kleinen Kamerateam alleine auf der Insel. Noch ahnt keiner, dass die eigentliche Gefahr sich tief im scheinbar unbewohnten im Inneren der Insel verbirgt - bis eines Nachts ein durchdringendes Heulen aus dem Dschungel dringt und ein Kandidat nach dem anderen verschwindet. Aus dem Spiel ist blutige Wirklichkeit geworden, und der Preis ist das nackte Überleben...

Brian Keene: Die Verschollenen

(OT: Castaways; © 2009) Heyne Tb 03/2011; ISBN: 978-3-453-52742-3; 379 Seiten; Übersetzung: Charlotte Lungstrass; Ausstattung: Taschenbuch; Nachwort von Brian Keene

Ich bin kein Star, holt mich hier raus

Eine kleine Köstlichkeit, dieser Roman. Das Buch ist Richard Laymon gewidmet und im Nachwort erklärt Keene, wie es dazu gekommen ist. Das Buch liest sich entsprechend seiner Geschichte auch wie ein Roman des großen Richard Laymon.

Das Setting des Buches ist so gut wie jedem Leser vertraut, der einmal einen Blick in das Dschungelcamp geworfen hat. Keene nimmt statt der bei uns üblichen B-Prominenz (ich nehme hier Michaela Schaffrath und von mir aus auch Matthieu Carriere aus) eine bunt gemischte Gruppe von Nobodys und gibt von der ersten Seite an Vollgas.

Der Leser wird mitten ins Geschehen geworfen, sprich, die Show läuft schon seit einiger Zeit. Die Leute sind auf einer Insel, bekommen nur Reis, müssen ihren Unterstand selbst bauen und Wettbewerbe durchziehen. Inzwischen sind sie etwas verspannt und haben eine gewisse Neigung dazu, aufeinander einzuhacken oder mit Reizen zu prahlen.

Im Dschungel ist die Kacke am Dampfen

So weit, so durchschnittlich. Aber dann ist da noch der eine Kandidat, dessen Anwesenheit die anderen andauernd vergessen, weil er sich im Hintergrund hält. Dann gibt es da noch ein paar Geschichten aus längst vergangener Zeit, die von unheimlichen Geschehnissen und Bewohnern erzählen, wo niemand etwas genaueres sagen kann. Und dann ist da Ivan, der Tropensturm, der sich auf die Insel zubewegt. Wenn das keine Rezeptur für köstliches Gemetzel darstellt.

Und dann legt Brian Keene los. Vollgas, ungebremst. Körperteile fliegen durch die Gegend, Augen und Zungen werden aus Schädeln gerissen, Eingeweide platschen in den Sand, Männer und Frauen kreischen gleichermaßen, während sie zerfetzt werden. Zwei Drittel des Buches sind ein durchgehendes Nonstop-Gemetzel.

Gerechtfertigt wird das Ganze durch ein paar anthropologische Vorwände, die sich wunderbar auf karibische Inseln und ausgedehnte Urwälder anwenden lassen. Vor dem Hintergrund der Knochenfunde der so genannten Hobbits vor einigen Jahren hat die Sache sogar einen glaubwürdigen Anstrich, auch wenn das, ehrlich gesagt, nicht die geringste Rolle spielt.

Krypto-my-Ass

Das ist ein Splatterroman, auf Glaubwürdigkeit wird gepfiffen. Es geht um deftiges Gemetzel und das Vergnügen, derartiges zu lesen. Brian Keene liefert eine prall gefüllte Schlachtplatte voll derber Köstlichkeiten ab. Wenn man nicht darauf achtet, entgeht einem unter Umständen die ganz hauchzarte Gewürznote des zynischen Humors.

Eines der Vergnügen des Lesers besteht darin, Kanonaden von Schimpfereien zu lesen, während Inneres nach Außen gezerrt wird. Die zweite erheiternde Sache ist der von Autor bewusst eingesetzte Umstand, Klischeefiguren entsprechend ihrer Rolle zu Tode kommen zu lassen.

Keene kann auch ganz anders und spielt sich hier mit der Schlichtheit und der Befriedigung der eher einfacheren Gelüste, genau jener, die uns auch immer wieder diese schwachsinnigen Shows anschauen lassen. Voyeurismus, Schadenfreude, Missgunst. Passend zum Niveau des Settings und der Figuren bekommen unsere Erwartungen erfüllt.

Teufel, Teufel, das Buch hat verdammt nochmal viel Spaß gemacht!

(Die Aufmachung von Heyne für Keene ist cool. Hoffentlich bleibt der Stil.)

Kurz gesagt:

  • rabiater Splatter

  • spielt amüsant mit Klischees

  • unbeschwert vergnügliches Blutbad

Fazit: Für Freunde und Hasser von Reality-Shows. Für Keene Leser sowieso ein Muss.

Siehe auch folgende Rezensionen: Brian Keene: Totes Meer; Brian Keene: Kill Whitey;