Inhalt lt. Buch: Finn lebt in totaler Finsternis - denn er ist blind. Seit seine Frau einen gewaltsamen Tod fand und er sein Augenlicht verlor, versucht er, als Lehrer an einem Internat, seiner Vergangenheit zu entkommen. Bis er eine seiner Schülerinnen grausam zugerichtet auf einem Friedhof findet. Mit dem Geruch von Blut kehren auch Schuld und Rache in sein Leben zurück.
Tom Piccirilli: Der Geruch von Blut
(OT: Shadow Season, 2009) Heyne 01/2011; ISBN: 978-3-453-67596-4; 303 Seiten; Übersetzung: Nicolai von Schweder-Schreiner; Ausstattung: Taschenbuch
Eines vorab: Hut ab vor dem Übersetzer! Eine Meisterleistung.
A Choir of Ill Children
Das Buch wird von der beeindruckenden Farbenpracht verrottender Schönheit getragen, von einer dunklen Poesie des Verfalls. Scharfer, melancholischer Geruch nach Verlust und Verzweiflung entströmt der Geschichte, Seite für Seite für Seite. Es riecht nach welken, modrigen Rosen.
Piccirillis Roman ist ein wunderschön geschriebener, düster-tragischer Thriller, der sich in eine nicht erwartete Richtung entwickelt. Das Buch ist ein Abgesang auf das Leben, ein wehmütiger Blick zurück auf ein Leben voll Freude und voller Verluste und junge, verbotene Verlockungen.
Finn ist ein Protagonist, der sein ganzes Leben lang mit der Umwelt gekämpft hat und diesen Kampf immer noch führt, obwohl er eigentlich vernichtend geschlagen wurde. Aber er ist zu hartnäckig, um sich der Niederlage hinzugeben. Er ist stur genug, um sogar gegen sich selbst zu kämpfen.
Killzone
Die Geschichte ist genauso deprimierend und hoffnungslos wie ein Roman von Jack Ketchum. Doch Ketchum bedient sich der harten und kurzatmigen Sprache seiner oft tumben Protagonisten, um dem Leser unter die Haut zu gehen. Piccirilli hingegen schlängelt sich mit schöner Sprache und prächtigen Bildern ins Bewusstsein seiner Leser. Das Geschehen ist allerdings um nichts weniger schrecklich.
Das perfekte, in dieser Form eigentlich nicht erwartete Finale und die tragische Grausigkeit menschlicher Abgründe beeindrucken. Piccirilli breitet vor dem Leser ein morbides Panorama der Dummheiten aus.
Schmerz
Perfekt zum Inhalt funktioniert das Cover. Wer auch immer den Segen dafür gegeben hat – sehr gute Wahl. Die Stimmung des Bildes lässt die Schönheit des Schreckens erahnen, der sich in den Seiten dahinter verbirgt.
Das Buch ist ein Thriller wie ein früher Thriller der Coen-Brüder. Hart, abgründig und unerbittlich. Wie Fargo zum Beispiel. Oder wie einer der besten Filme von Sam Raimi, Ein ganz einfacher Plan. Tragisch, unerbittlich, konsequent.
Tom Piccirilli hat Horrorromane der grotesken Art geschrieben und Thriller, die im Realismus verhaftet bleiben. Eigen ist all diesen Büchern ihre eigene Poesie. Schon deshalb lohnt es sich, ihn zu lesen.
Kurz gesagt:
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wunderschöner Thriller
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voller Melancholie
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tragische Geschichte
Fazit: absolut ein lesenswertes Meisterwerk
