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[02/2011] Douglas Preston, Lincoln Child: Fever

Preston Child Fever CoverInhalt lt. Buch: Auf dem Stammsitz seiner Familie macht Pendergast eine ungeheuerliche Entdeckung: Seine Frau Helen ist vor zwölf Jahren nicht durch einen Unfall ums Leben gekommen - es war ein heimtückisch geplanter Mord! Gemeinsam mit seinem besten Freund D'Agosta beginnt Pentergast zu ermitteln - und muss bald erkennen, dass Helen ihn aus vielen Gründen geheiratet hat, aber nicht aus Liebe ...

Douglas Preston, Lincoln Child: Fever

(OT: Fever Dream; 2010) Droemer HC 2011; ISBN: 978-3-426-19891-9; 519 Seiten; Übersetzung: Michael Benthack; Ausstattung: Hardcover, Schutzumschlag; Inhalt: Roman; Chronologien der Preston/Child Werke

Schatten der Vergangenheit...

... nennt sich der Untertitel des Buches und läutet damit die zweite Trilogie nach den Diogenes Romanen innerhalb der Pendergast Reihe ein. Fever ist der Pendergast Nr. 10 und erneut wühlen wir in der Familiengeschichte des Special Agent herum – ein teuflisches Vergnügen.

Fever setzt eine Tradition fort: Wieder ist ein Buch einen Tick bizarrer und abstruser als der Vorgänger. Offensichtlich hatten die Autoren diebisches Vergnügen daran, grandiose Augenblicke unverschämter Übertreibung gekonnt in Szene zu setzen.

Aloysius in Action

Diese Achterbahnfahrt schlägt sich gelegentlich in Szenen nieder, die etwas hastig hingeworfen wirken, ganz so, als wollten Preston und Child schnell zur nächsten Verrücktheit gelangen. Dem Vergnügen, das dieses Buch bietet, schaden diese kleinen Nachlässigkeiten allerdings nicht. Dazu sind die Eigenheiten und Macken von Pendergast viel zu unterhaltsam.

Auch die erneute, intensive Beschäftigung mit der Chronik der Familie Pendergast kommt dem Roman zugute. Geschickt werden historische Figuren, von denen eine eine sehr zentrale Rolle in diesem Buch spielt, mit der Fiktion dieser Familie verknüpft. Zusammen mit der schwülstigen Stimmung von New Orleans, den Sümpfen, der afrikanischen Steppe und dem historischen Rätsel taucht man als Leser ein in eine phantastische Welt mit einen Hauch Irrealität.

D‘Agosta – der Jason Bourne von Pendergast

Natürlich auch diesmal dabei ist Lieutenant D‘Agosta. Er ist schon seit dem ersten Fall in bewährter und treuer Manier der halboffizielle Rammbock des Special Agenten. Er prügelt und ballert sich auch hier mit gehörigem Aufwand und Genuss durch die Szenerie und klopft sture Schädel weich.

Der hemdsärmelige D‘Agosta der Kneipen und schmutzigen Seitenstraßen ist ein ausgeprägter Gegenpol zum leicht unheimlich wirkenden Pendergast, der in seiner Art Sherlock Holmes und James Bond in sich vereint. Wie diese beiden Figuren ist auch er nicht zimperlich in der Anwendung von schmutzigen Tricks aller Art, um Antworten zu bekommen.

Pendergast vermeidet Gewalt, scheut aber bei Bedarf nicht ihre Anwendung. Er achtet stets auf Höflichkeit und schätzt den Rolls Royce für Einsatzfahrten. Er ist universell gebildet und kann mit einem Kampfmesser operative Eingriffe durchführen, die eines Chirurgen würdig sind. Das ist vielleicht nicht unbedingt realistisch, aber äußerst charmant und witzig.

Overkill

Das Finale ist eine grandiose Mischung aus spannendem Thriller mit dem Flair des Walter Hill Thrillers Die letzten Amerikaner und einer grotesken Übertreibung in Richtung ... hm. Nein, besser selbst rausfinden, den Spaß darf man nicht mit einer Rezension ruinieren.

Die Skurrilitäten der Fälle, mit denen sich Pendergast beschäftigt, machen den ungeheuren Reiz und Charme der Bücher aus. Die Autoren schaffen es eigentlich fast immer, die Balance zwischen wissenschaftlichen Fakten, interessantem Allgemeinwissen und Seemannsgarn zu halten.

In Fever hat dieses Gleichgewicht etwas Schräglage erlitten. Ein wenig blinzelt hier und da der Druck durch, den vorigen Roman jedes Mal toppen zu müssen. Es ist sicher nicht einfach, jedes Jahr erneut einen Hit zu landen. Vielleicht wäre ein zweijähriger Rhythmus besser, so ließe sich der entzückende Irrsinn der Pendergast Romane eine Spur sorgfältiger ausarbeiten. Denn ein wenig zu durchsichtig ist die Sache gegen Schluss doch noch geworden.

Aber dafür wird dieses Buch mit einem perfekten Cliffhanger zu Ende gebracht, der die Gier nach dem nächsten Roman anheizt. Clever.

Im großen und ganzen gibt es an Fever nicht viel zu kritisieren. Wir haben einen wunderbar schrulligen Pendergast, der sich mit seiner Familie beschäftigt, exotische Schauplätze, reichlich Action, verrückte Momente, einen wissenschaftlichen Unterbau mit grenzwertigen Auswüchsen – ein Verwandter von James Bond.

Wer Pendergast mag, für den ist dieser Roman ohnehin Pflicht und Vergnügen. Wer einsteigen will, wäre mit einem der früheren Bücher besser beraten. Zwar steht der Roman für sich, aber er trägt auch Geschichte und Vergangenheit der Serie mit und ohne dieses Wissen geht doch einiges an dem Vergnügen dieser Romane verloren. Eine kleine Orientierungshilfe findet sich hinten im Buch.

Kurz gesagt:

  • wunderbar skurriler Thriller

  • ein Blick in die Familie Pendergast

  • ein paar verzeihbare Schwächen

Fazit: ungebremstes Lesevergnügen – Pendergast ist Kult!

aktualisierte Chronologie der Pendergast Romane und restlichen Werke von Preston/Child...